Albanien, Berat – Osum Canyon – Benjë

Datum: 12. Oktober – 13.Oktober 2021

Der Weg nach Berat

Durchs Hinterland von Albanien machen wir uns auf den Weg nach Berat – in die Stadt der 1000 Fenster. Oft haben wir uns gefragt, wo denn das ganze Gemüse für Albanien angebaut wird und nun sehen wir auf dem Weg nach Berat, wo zumindest ein Teil davon her kommt.

Die Strasse, auf der wir uns befinden, ist teilweise gut und teilweise schlecht. Das gehört in Albanien aber dazu und wir hoffen, dass wir nicht plötzlich nur noch auf einem Kiesweg fahren müssen – denn auch das kann in Albanien nach jeder Kurve der Fall sein.

Berat

Als wir in Berat ankommen, ist das Wetter gut. Nur am Horizont bildet sich eine Wolkenfront. Leider liegt diese Front genau dort, wo wir heute noch hin fahren wollen.

Natürlich wollen wir als erstes die 1000 Fenster von Berat betrachten und so machen wir uns auf den Weg über die Brücke. Dort hat man wohl die beste Sicht auf die Stadt, welche am Hügel gebaut ist. Über der Stadt befindet sich die Burg und ist umgeben von kleinen weissen Häuschen mit braunen Ziegeldächern. Die Häuser wurden im osmanischen Stil gebaut und es ist verboten, Neubauten im Zentrum zu errichten.

Nachdem wir uns auf der Schlendermeile mit einer Pizza gestärkt haben, geht es hoch zur Burg. Anscheinend gibt es zwei Eingänge in den Burgkomplex: Einen, der von der Strasse aus erreichbar ist und bei dem man 3 Euro / Person Eintritt bezahlt und einen Zweiten, welcher ausschliesslich zu Fuss erreichbar und der Eintritt gratis ist. Natürlich nehmen wir den Weg, welcher gratis ist. Schon komisch, dass man einen offiziellen Weg hat, wo man gratis rein kann und einen, wo bezahlt werden muss.

Die Aussicht auf der Burg am späten Nachmittag ist schön und man hat einen guten Blick auf die restliche Stadt von Berat. Weiter gibt es viel zu erkunden, aber wir schauen nur einen Teil an, denn wir wollen noch vor der Dunkelheit zu unserem Schlafplatz in der Nähe des Osum Canyons fahren.

Verrückte Begegnung am Abend

Als wir bei unserem Schlafplatz ankommen, fängt es an dunkel zu werden. Sarah und ich sind uns noch nicht ganz einer Meinung, wie wir parkieren sollen und unser Auto nivellieren wollen. Mitten in unserer Diskussion fährt ein Jeep zu uns an den Fluss und ein Mann sagt etwas auf Albanisch zu uns. Wir verstehen nicht, was er uns sagen will und bevor wir nochmals nachfragen können, steigt der etwas ältere Herr aus dem Auto und holt eine Axt aus dem Kofferraum. Uns ist etwas mulmig zumute, aber als wir sehen, dass er an uns vorbei geht und einen grossen trockenen Ast aus dem Gebüsch zieht und anfängt diesen zu bearbeiten, ändert sich das. Anscheinend will er noch ein bisschen Holz hacken und wir stehen mit unserem Mitsu im Weg. Das zumindest haben wir gedacht, aber plötzlich holt der Herr Benzin aus dem Auto, schüttet etwas über ein paar Äste, welche ca. 2 Meter vom Mitsu entfernt liegen und zündet diese an.

Wir verstehen nicht genau was da abgeht. Englisch spricht der Herr keins und auch ein jüngerer Mann, welcher nun auch aus dem Auto ausgestiegen ist, spricht fast kaum Englisch. Er fragt uns nur, ob wir „Papiere“ haben, denn er habe keine und meint, dass der Mann das Feuer für uns mache. Auf die Frage weshalb, kann er nicht antworten. Der ältere Herr stapelt alles gehackte Holz etwas abseits des Lagerfeuers auf einen Haufen, bereitet uns ein zweites Lagerfeuer zum anzünden vor, füllt etwas Benzin in eine Plastikflasche, welche er schnell aus dem Gebüsch nebenan holt, deutet auf das vorbereitet Häufchen und meint, dass wir dies später anzünden können, schenkt uns zwei Äpfel und Baumnüsse und so schnell sie gekommen sind, sind sie auch wieder weg.

Wir verstehen die Welt nicht mehr und versuchen eine Erklärung für das eben Erlebte zu finden. So richtig können wir es uns aber nicht erklären, ausser dass die beiden gedacht haben, wir sind obdachlos oder Flüchtlinge und wollten uns helfen, da es in der Nacht ziemlich kalt wird.

Vom Osum Canyon nach Përmet

Nach diesem verrückten Abend machen wir uns am Morgen los zum Osum Canyon. Unsere Idee ist, den Canyon zu besuchen und dann den Verbindungsweg zwischen Berat und Permet zu fahren – eine Offroad-Strecke. Es regnet leicht und wir hoffen, dass wir die gesamte Strecke fahren können. Ansonsten bleibt uns nur übrig, alles wieder zurück zu fahren und nach Berat die Hauptstrasse zu nehmen.

Osum Canyon

Bevor wir aber die Offroad-Strecke erreichen, können wir am Anfang des Canyons ein paar Aussichtspunkte anfahren und sogar teilweise etwas in ihn herein gehen. Wir entscheiden uns gegen eine längere Wanderung wegen des schlechten Wetters.

Offroadstrecke bis Përmet

Und dann befinden wir uns am Ende der asphaltierten Strasse. Momentan ist alles grau, es nieselt leicht. Wir wollen es versuchen und führen unseren Weg fort, ab jetzt auf unbefestigter Strasse.

Auf dem Weg sehen wir, wie nach alter Weise Holzkohle hergestellt wird. Diese Art der Kohleherstellung findet man heutzutage nicht mehr an vielen Orten, aber es ist interessant wiedermal etwas Neues bzw. Altes zu sehen.

Bereits der Start der Offroad-Strecke ist herausfordernd. Die Strasse ist vom Regen aufgeweicht und der schlammige Untergrund führt vermehrt zu kleinen Rutschern. Kurz überlegen wir, ob wir umdrehen sollen, wollen es aber trotzdem wagen. Nach ca. 5 Minuten kommt uns ein T5 4Motion aus Tschechien entgegen. Er meint, dass es für ihn weiter vorne kein Durchkommen mehr gäbe. Ein Blick auf seine Reifen lässt uns aber darauf schliessen, dass das für uns schon gehen wird.

Nach weiteren 10 Minuten sehen wir einen Sprinter am Wegesrande stehen – auch für die beiden Deutschen ist der Weg hier zu Ende. Sie meinen, dass etwas weiter oben ein Fels auf der Strasse liegt und danach sei es sehr schlammig gewesen. An der beschriebenen Stelle sind sie dann nicht mehr weiter gekommen.

Wir glauben an den Mitsu und nehmen die Challenge auf uns. Beim Felsen schlittern wir im Schlamm gemütlich neben durch und mit etwas Gas schaffen wir auch diese Passage – 4×4 sei Dank. Nur gut, dass wir den Felsen auf der Innenseite der Strasse umfahren können und keine Angst haben müssen, dass wir den Abhang runter rutschen.

Ab jetzt wird es etwas entspannter und wir können uns auf die Umgebung konzentrieren. Langsam öffnet sich die Weite vor uns und wir fahren vorbei an steilen Abhängen, farbiger Natur, schwarzen Kieshängen und rutschigen Strassen. Trotz des Regens hat sich diese Route für uns gelohnt. Die Natur ist wirklich schön und bei gutem Wetter wohl noch eindrücklicher. Zudem erhält man schöne Weitblicke, nachdem man auf der Passhöhe ist.

Llixhat e Bënjës

Die Thermalbäder von Përmet bei Bënjë sind natürliche Quellen, welche Wassertemperaturen zwischen 22-30°C besitzen. Das Wasser wird in künstlich angelegten Becken gestaut und ladet zum Baden ein. Eigentlich perfekt für schlechtes, neblige und kühles Wetter wie heute. Nach der Offroad-Strecke freuen wir uns richtig, im warmen Wasser etwas zu entspannen.

Es sind einige Touristen hier, die meisten mit dem Camper. Eintritt muss man keinen bezahlen und auch der Parkplatz ist in dieser Jahreszeit kostenlos. Leider sind die Toiletten abgeschlossen und eine Dusche, um den schwefeligen Geschmack nach dem Bad los zu werden findet man nicht. Kein Grund für uns, nicht ins Wasser zu gehen.

Leider ist das Wasser nicht ganz so warm, als dass man den ganzen Tag darin baden kann, ohne zu frösteln. Aber cool ist es auf jeden Fall und auch der Schwefelgeruch ist im Wasser kaum wahrnehmbar.

Der sandig-lehmige Untergrund auf dem Parkplatz und in der Umgebung ist durch den Regen ganz schön aufgeweicht und überall sind grosse Pfützen. Bei der Suche nach einem geeigneten Plätzchen für die Nacht müssen wir uns für einmal nicht entscheiden wo es am schönsten ist, sondern wo dass es am wenigsten Pfützen und Schlamm hat. Auch dies gehört zum leben „On the Road“ – oder in unserem Fall heute: Leben im Schlamm 🙂

Nach dem Abendessen unterhalten wir uns noch mit Simon, welcher mit dem Rucksack unterwegs ist. Meist trampt er von Ort zu Ort und so beschliessen wir, ihn auf dem Weg nach Ksamil bis nach Gjirokaster mit zu nehmen. Als wir ins Bett liegen, sind wir froh, dass wir ein trockenes Büssli haben und wollen aktuell nicht gegen ein Zelt tauschen.

Übernachtungsorte: 12.10. Umgebung Valë / 13.10. Umgebung Benjë Schwefelquellen

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