Iran, Kavir Wüste 2

Datum: 15. Mai – 17. Mai 2022

Dieses Mal als Rundweg

Vor 4.5 Monaten, im Januar 2022, waren Flo und ich in der Kavir Wüste. So eben habe ich den Blogeintrag von damals gelesen: Von Zanjan mit meterweise Schnee sind wir in einem Tag zur Karawanserei in der Nähe von Kashan gefahren – die Flucht vor der Kälte in die Wärme. Wir waren damals erst eine Woche im Iran und hatten noch keine Wüstenerfahrungen. Seither sind 4.5 Monate vergangen und wir haben viel erlebt und gelernt. Nun sind wir wieder am gleichen Übernachtungsplatz wie am 18. Januar 2022 und freuen uns, Rahel ein bisschen mit in die Wüstenwelt mitnehmen zu können.

Auch wir sind gespannt, wie wir den Teil „Maranjab“ in der Kavir Wüste zu dieser Jahreszeit erleben werden. Zusätzlich wird es auch für uns neue Abschnitte geben, denn dieses Mal haben wir die Route als Rundweg geplant. Wir werden also an dem Punkt, wo wir letztes Mal übernachtet haben, weiter dem Weg folgen und nicht den gleichen Weg zurückfahren. Im Januar fragten wir eine Person vor Ort, ob eine Umrundung möglich sei. Diese verneinte. Mittlerweile wissen wir von anderen Reisenden (Danke an Martina und Tobi), dass unsere schon damals rausgesuchte Route existiert.

Nach einer langen Fahrt vom Zagros Gebirge bis in diese Wüstenregion decken wir uns etwas ausserhalb von Kashan mit Essens- und Dieselvorräten ein. Die Wasserreserven haben wir schon auf dem Weg aufgestockt und das gesammelte Feuerholz ist auf dem Dach festgespannt. Die Wetterprognosen haben wir auch nachgeschaut, es zeigt Sand in der Luft und bewölkt.

Kavir Wüste im Mai

Schnell erreichen wir die uns bekannte Wellblechpiste. Schon nach wenigen Kilometern begegnen wir den ersten Dromedaren. Sie sehen dieses Mal ganz anders aus. Hatten sie im Januar dickes Fell, hängen den Meisten die langen Haare nur noch zottelweise am Körper. Ich sitze auf der Rückbank, die Schiebetüre ist offen zum Fotografieren. Ein grosses Dromedar nähert sich in schnellen Schritten und ich sage zu Flo und Rahel: „Fahr los, nicht das es mich anspuckt“ (Ich verwechsle wohl in diesem Moment Dromedars mit Lamas). Während Flo den Mitsu in Bewegung versetzt, schliesse ich die Türe.

Wir fahren fast bis zur Maranjab Karawanserei, wo wir die nächsten Tiere sehen. Beim Fotostopp bemerke ich, dass nur noch ein Turnschuh von Flo vor mir liegt. Schnell ist klar, der muss irgendwo auf der Fahrt rausgefallen sein. Gerade noch gut gelaunt, geht es nun stillschweigend den Weg zurück, unsicher ob wir den Schuh finden und wie weit wir fahren müssen. Zum Glück finden wir ihn genau dort, wo wir das erste Mal die Dromedars gesehen haben. Ein Check der Dieselvorräte und der nun zusätzlich gefahrenen Kilometer ergeben, dass es nach wie vor gut reicht. Huff… Erleichtert und wieder mit viel Freude geht die Fahrt wieder Richtung geplantem Schlafplatz.

Tag 1: Sandsturm, Wiedersehen und Abschied

Als wir unseren Schlafplatz am Rande der Dünen erreichen, bin ich fasziniert über die Veränderungen zum Januar: Der Salzsee nicht mehr zu sehen. Durch die zunehmende Hitze ist er deutlich mehr ausgetrocknet und wird sich wohl erst in einigen Monaten wieder mit Wasser füllen. Dafür ist es unglaublich grün und es blühen Blumen. Bis zu den grossen Sanddünen spriessen die grünen Gebüsche, ein Schlemmerland für die Dromedare. Auch an unserem Stellplatz ist eine riesige Herde Dromedare, welche sich aber von uns nicht beirren lassen und ohne Augenzwinkern in nächster Nähe von uns den ganzen Tag verweilen.

Für die Abendstimmung wandern wir auf die grossen Sanddünen. War letzte Mal der Gang relativ einfach, da die Sandoberfläche durch die Kühle hart war, werden heute unsere Muskeln mehr gefordert. Die Hitze lässt den Untergrund weicher werden und wir sinken tiefer in den Sand ein. Auf dem Kamm angekommen erwartet uns kein gemütlichen Sonnenuntergang, sondern die Wüste zeigt sich ein weiteres Mal mit ihren vielen verschiedenen Facetten: Wind zieht auf und viel Sand wirbelt in der Luft. Der gesamte Himmel und Horizont verwandelt sich in Weiss- und Grautöne, der Sand scheint die Umgebung einzunehmen. Jetzt bin ich froh über meine lange Kleidung und das Kopftuch, es dient als guter Schutz vor dem herumwirbelnden Sand. Wir drei lassen uns nicht beirren und wandern zwar nicht bis zu den höchsten Spitzen, bleiben aber noch eine Weile auf den Dünen.

Bald gesellt sich unser Freund Mohsen zu uns. Er hat trotz mühsamer Wellblechpiste die Mühe auf sich genommen, diesen Weg mit seinem Motorrad zu uns zurück zu legen, um nochmals einen gemeinsamen Abend verbringen zu können. Denn wir wissen alle nicht, wann, wo und ob wir uns wieder sehen würden. Mohsen haben wir auf Qeshm kennengelernt. Er hat uns seinem sehr guten Freund Hossein vorgestellt und die beiden habe uns die Küste gezeigt, uns viel über die iranische Kultur beigebracht und gleichzeitig sich sehr für unsere Meinungen und Ideen interessiert. Mohsen ist von einer Begegnung zu einem Freund geworden.

Nun machen wir es uns zu viert auf unserer Picknick-Decke gemütlich und trotz viel Sand und Wind bleiben wir lange sitzen. Der Abschied am Morgen fällt mir nicht leicht.

Tag 2: Die Fahrt geht weiter

Der nächste Morgen begrüsst uns mit weniger Wind und ein weiterer Tag in der Wüste erwartet uns. Ab jetzt ist es auch für Flo und mich unbekannt. Entlang der grossen Dünen und neben dem Salzsee ist die Fahrspur gut sichtbar. Wir tauchen einmal mehr in die Wüstenwelt ein, fasziniert, dass es auch hier wieder anders ist und lassen die Eindrücke auf uns wirken.

Die Fahrt ist angenehm, wir kommen gut voran und stecken auch nie fest, da die Spur mit unserem Fahrzeug gut fahrbar ist. Kaum haben wir einen Schlafplatz ausgewählt und darüber nachgedacht, ob hier wohl nicht der Sand weicher und tiefer ist, haben wir uns auch schon festgefahren. Natürlich haben wir das nur gemacht, das Rahel auch noch in den Genuss des Schaufeln und dem Einsatz der Sandbleche kommt – wäre ja sonst zu langweilig gewesen ;-).

Schnell sind wir draussen, richten uns ein und inspizieren die Dünen in unserer Umgebung. Waren am Anfang des heutigen Streckenabschnitts grossen Dünen zu bewundern, liegen nun vor uns Dünenberge mit vielen kleinen Dünenhügeln mit verschiedensten Grünpflanzen. Wir beobachten den weissgefärbten Sonnenuntergang und lassen die Wüstenwelt auf uns wirken.

Mit dem Anbruch der Dunkelheit beginnt bei uns der Start des Lagerfeuers. Heute Abend bekommen wir das Vergnügen, die Kamelspinnen kennenzulernen. Mit ausgestreckten Beinen haben sie eine Grösse bis zu fünf Zentimeter und sie können sich bis zu einer Geschwindigkeit von 16 km/h fortbewegen. Ihre Bisswunden können sehr schmerzhaft sein, jedoch sind sie nicht giftig und Angriffe auf Menschen sehr selten. Ihr Aussehen und ihre Schnelligkeit lassen sie aber ungemütlich wirken und ich erschrecke doch stark, als ich eines dieser Tiere an unserer Tür entgegenblicke. Zu unserem Staunen rennen sie heute oftmals mit voller Geschwindigkeit ins Feuer…

Tag 3: Und wieder raus

Nur wenige Kilometer nach unserem Schlafplatz erreichen wir eine „Strasse“ mit hartem Untergrund in einem schönen, schmalen Dünenkorridor. Bei gemütlicher und angenehmer Fahrt können wir es also nochmals richtig geniessen, bevor unser kleines Wüstenabenteuer zu Ende geht.

Kashan

Mit dem Ende des Wüstenaufenthalts kommt der Abschied von meiner Schwester in grossen Schritten auf uns zu. Bevor wir uns auf den Weg in die Hauptstadt Teheran begeben, wollen wir trotzdem einen kurzen Abstecher in der Stadt Kashan machen. Kashan ist unter anderem bekannt für seine alten Handelshäuser und wenn wir schon in der Umgebung sind, wäre es fast schade, keines zu besichtigen.

Wir entscheiden uns für das Borujerdi Haus, ein historisches Bürgerhaus aus dem 19. Jahrhundert. Gemäss Wikipedia ist das Haus aufgrund folgender Geschichte erbaut worden: Da die „Borudscherdi“-Familie eine Einheirat in die „Tabatabayi“-Familie verfolgte, stellte diese die Bedingung, dass ein genauso schönes Haus für die Braut gebaut werden muss, wie das ihre: Gesagt, getan.

Übernachtungsorte: 15.05. Umgebung Kashan / 16.-17.05. Kavir Wüste

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