Iran, Lut Wüste

Datum: 25. Januar – 27. Januar 2022

Vorbereitung für die Lut Wüste

Kurz vor dem Eindunkeln erreichen wir Mahan und begeben uns direkt auf die Suche nach Diesel. Wir haben schon gelesen, dass man hier für den Diesel 30k Rial bezahlen muss (statt den normalen Preisen von 6k Rial) und dass es ein abgekartets Spiel ist. Wir versuchen trotzdem an günstigeren Diesel zu kommen und fahren die erste Tankstelle an. Wir werden unhöflich angesprochen und haben keine Chance den Diesel zum normalen Preis zu bekommen. Wir sagen, dass dies nicht der normale Preis sei und fahren ohne eine Verabschiedung davon. Bei der nächsten Tankstelle haben wir mehr Glück, denn ein LKW Fahrer lässt uns auf seine Karte tanken und dies sogar zum Preis von 3k Rial pro Liter. Somit wäre der erste Punkt auf unserer ToDo-Liste für die Wüste erledigt.

Schlafplatz und Abendessen organisieren

Wir sind beide müde von dem langen Tag und wollen eigentlich nicht all zu lange wach bleiben. Auf dem Parkplatz bei einer Moschee finden wir einen Platz für die Nacht und entscheiden uns, dass wir um die Ecke etwas zum Essen suchen wollen. Nach etwas suchen werden wir fündig und bestellen uns eine vegetarische Pizza. Diese wird mit Ketchup und Mayo serviert und erinnert uns eher an einen Auflauf mit einem Teig als an eine Pizza. Aus dem „kurz“ etwas essen gehen, wird eine ausgedehnte Plauderrunde mit verschiedenen Menschen, Einladungen und drei neuen Telefonnummern. Müde ziehen wir uns zurück und können schnell einschlafen.

Lebensmittel

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, um bei Zeiten alles zusammen zu haben. In diversen Märkten decken wir uns mit Lebensmittel für die Zeit in der Wüste ein.

Obst und Gemüse finden wir in einem kleinen Laden um die Ecke und der Besitzer freut sich sehr, dass wir bei ihm einkaufen. Brot finden wir auf dem Rückweg und stellen uns an der Schlange an. Nach 10 Sekunden werden wir nach vorne gewunken und man gibt uns zu verstehen, dass wir die Schlange überspringen dürfen und erhalten drei Stück Sangak (iranisches Brot mit etwas mehr Dicke) geschenkt.

Wasser

Auf dem Weg halten wir bei einer Wasserstelle und starten mit dem Filtern des Trinkwassers. Leider ist der Druck schlecht und so vergeht sicher eine Stunde bis wir 20 Liter Wasser aufgefüllt haben. Dazwischen kommen immer wieder Einheimische vorbei, um ihre Kanister aufzufüllen. Wir stoppen dann unsere Filtration für einen kurzen Moment und lassen diese vor. Es reicht nicht ganz, um die Kanister zu füllen, denn am Schluss kommt kein Wasser mehr aus dem Hahn, sondern er zieht Luft rein.

Der Weg in die Wüste

Um von Mahan aus in die Lut Wüste zu kommen, muss man erst einen Pass überqueren. Kurz vor dem steilen Anstieg auf 2660 m.ü.M. treffen wir auf Tamara und Gordon, welche wir bereits in Yazd getroffen haben. Sie sind bereits auf dem Rückweg und wir stoppen für einen kleinen Schwatz. Es ist erneut spannend und wir könnten noch länger weiter sprechen, Sarah und ich müssen aber langsam los, bevor es wieder spät ist. So verabschieden wir uns von den beiden und hoffen, dass wir uns bald wieder treffen werden.

Nachdem wir den Pass erreicht haben, geht die Strasse abwärts bis auf 300 m.ü.M., wo man sich dann in der Lut Wüste befindet. Wir lassen das Gebirge langsam hinter uns und vor uns erstreckt sich der Ausläufer der Lut Wüste.

Die Strasse ist asphaltiert und heute herrscht wenig Verkehr. So staunen wir über die Weite, in welche wir gerade hinein fahren und sind schon gespannt auf die ersten Kaluts. Die Kaluts sind Felsgrate der Yardang-Felder. Yardang-Felder werden die erodierten Kalksteinfelsen genannt, welche durch Umwelteinflüsse wie Wind und Sand geformt worden sind. Es dauert nicht lange und wir können die ersten Kaluts sehen.

Lut Wüste

Bevor wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz machen, fahren wir weiter zum Fluss Rud-e Shur, welcher einen hohen Salzgehalt aufweist. Am Rande des Flusses gibt es deshalb keine üppige Vegetation, sondern eine weisse, mit Salzkristallen überzogenen Fläche.

Ab hier wird die Strasse ziemlich schlecht, denn bei hohem Wasserstand schwemmt es immer wieder Teile der Strasse weg und diese wird nicht sofort in Stand gesetzt. Wir entschliessen uns, umzudrehen und abseits der Strasse einen Platz für die Nacht zu suchen. Wir folgen den bereits vorhandenen Spuren, welche immer weniger und weniger werden. Angeblich soll es in der Lut Wüste Mienen geben, um Schmuggler davon abzuhalten, den Weg durch die Wüste zu nehmen. Diese Tatsache macht uns etwas nervös und wir versuchen auf bereits vorhanden Spuren zu bleiben. Auch darf man gemäss einem Schild nicht mehr als zwei Kilometer von der Strasse entfernt in die Wüste fahren. In der Ferne sehen wir einen guten Platz zum Übernachten, müssen dazu aber über durch ein Stück mit weichen Sand fahren. Sarah ist skeptisch, aber ich glaube, dass wir da durch kommen. Nach ein paar Metern stoppe ich und wir lassen doch etwas Luft aus den Reifen – nicht dass wir uns fest fahren.

Einsamkeit und Stille

Als es dunkel wird, hören wir ausser den Rufen der Kojoten nichts mehr. Die Sterne sind gut sichtbar, aber nicht zu vergleichen mit der Sichtbarkeit in den Bergen bei einer klaren Nacht. Dafür ist es hier definitiv wärmer und wir müssen nicht frieren beim Betrachten der entfernten Galaxien.

Als ich im Bett liege, ist mir nicht ganz wohl. Die Geschichten über Schmuggler, Mienen und Militär in der Region rauben mir den Schlaf. Durch die extreme Stille nimmt man jedes noch so kleine Geräusch viel extremer wahr und ich schrecke immer wieder hoch. Obwohl die ganze Nacht kein einziger Mensch vorbei kam und ich nichts Auffälliges wahrnehmen konnte, hatte ich einen sehr unruhigen Schlaf. Vielleicht spielt auch die Geschichte von Batman aus der Türkei hier unbewusst mit. Am nächsten Morgen erfahre ich von Sarah, dass auch sie nicht gut geschlafen hat. Bei ihr war es auch die enorme Stille, die so fremd wirkt.

Standortwechsel für eine weitere Nacht

Am nächsten Morgen fahren wir ein Stück zurück und suchen uns einen anderen Platz. Die Landschaft hier ist nochmals anders, obwohl er nur ein paar Kilometer weit entfernt liegt. Überall sehen wir bereits Iraner in kleinen Gruppen zusammen kommen. Es ist Donnerstag und am Donnerstag beginnt das Wochenende im Iran. Je später es wird, desto mehr hört man Musik aus den parkierten Autos und als es dunkel wird, erhellen Scheinwerfer einzelne Orte, welche wie kleine Partyinseln aussehen. Wir bleiben an unserem Platz und beobachten das Spektakel aus der Ferne.

Auf den Spuren der GPS Koordinaten

Aus dem Internet haben wir zwei GPS Tracks herunter geladen. Der eine würde weit in die Wüste führen und dafür haben wir zu wenig Diesel dabei und sind zu schlecht ausgerüstet. Würde uns auf dem Weg etwas zustossen oder etwas am Auto kaputt gehen, würde uns niemand finden und um zu Fuss zurück zu gehen, wäre es zu weit.

Aus diesem Grund entscheiden wir uns für eine kleine Route, welche nicht zu weit von der Hauptstrasse entfernt entlang führt. Wir finden zwar den Einstieg zum Track, können aber keine anderen Spuren von Fahrzeugen ausmachen. Nach drei Kilometern brechen wir die Route ab – zu riskant ist uns der Weg durch ein Gebiet, wo möglicherweise Minen sind (ein paar Wochen später erfahren wir, dass ein Guide mit einer Gruppe erneut auf eine Miene gefahren ist).

Wir geben aber noch nicht ganz auf und wollen über die Hauptstrasse zum Ende der Route fahren und dort nochmals nach dem Einstieg Ausschau halten. Auf diesem Weg kommen wir zu unserem Erstaunen an viel Grün vorbei. Hier mitten in der Wüste werden rege Lebensmittel angebaut und mit der künstlichen Bewässerung eine kleine Oase geschaffen.

Am Ende der Strasse finden wir einen verlassenen Campingplatz mit kleinen verwitterten Häuschen. Ein paar Spuren führen in die Richtung des GPS Tracks und wir folgen ihnen mit viel Vorfreude. Wir wollen nicht die ganze Strecke fahren, sondern nur ein paar Kilometer weit rein und dort die Nacht verbringen. Nach einer Weile brechen wir den Weg erneut ab, als wir unerwarteter Weise im Schlamm stecken. Obwohl die Wüste so trocken wirkt, gibt es hier immer wieder nasse Stellen, welche von salzigen Flüssen gespiesen werden. Wir wollen kein Feststecken riskieren und drehen um.

Nach einer Wanderung im sehr breiten Flussbett, verlassen wir diesen einsamen und lebensfeindlichen Ort mit vielen neuen Erinnerungen und Erfahrungen im Gepäck. Die Wüste hat uns sehr beeindruckt und wir wären gerne bis zu den grossen Sanddünen in dieser Region gefahren. Leider sahen wir zu diesem Zeitpunkt keine gute Möglichkeit, um alleine ohne ein zu grosses Risiko einzugehen, zu den Sanddünen zu kommen. Der Ausflug hat uns aber gezeigt, wie unterschiedlich Wüsten sein können und dass ich bei dem Begriff „Wüste“ ein viel zu einseitiges Bild im Kopf hatte.

Übernachtungsorte: 25.01. Umgebung Mahan / 26.01 – 27.01. Wüste Lut

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