Iran, Kavir Wüste

Datum: 18. Januar – 19. Januar 2022

Flucht aus der Kälte

In der Nacht schneit es immer weiter und am Morgen müssen wir unser Auto erst einmal von Schnee befreien. Die Strassen sind zugeschneit und sind die städtischen Beamten mit dem Räumen des Schnees gefordert. Wir haben uns bereits auf diese Situation eingestellt und wollen direkt nach dem Frühstück los, um trotz dieser Strassenverhältnisse noch ein Stück weit zu kommen.

Nachdem wir uns von Sarah und Sämi verabschiedet haben, begeben wir uns bei Sonnenschein in Richtung Süden. Obwohl diese Winterlandschaft hier wunderbar anzuschauen ist, besonders bei diesem sonnigen Wetter, haben wir die kalten Temperaturen langsam genug erlebt und wollen mal wieder draussen sitzen und die Sonne geniessen.

Mit jedem Kilometer den wir voran kommen, wird der Schnee etwas weniger und ich fange schon fast an, die schnelle Abreise zu bereuen. Als wir dann aus dem Schnee sind und das Thermometer wieder Temperaturen über 8°C anzeigt, freue ich mich jedoch auf die Wärme.

Fotoshooting

Auf der Autobahn ruft uns ein Mann etwas zu und gibt uns zu verstehen, dass wir doch kurz anhalten sollen. Es ist ein blauer Pickup der Marke Zamyad, welche hier überall anzutreffen sind. Diese Autos werden im Iran produziert und für kommerzielle Zwecke eingesetzt. Viele davon fahren mit Diesel und alles mögliche wird damit transportiert.

Der Fahrer steigt aus und es gesellt sich noch ein weiterer Pickup dazu. Sie fragen, woher wir kommen und ob wir zusammen ein Foto machen können. Natürlich willige ich ein und Sarah hält die Szene von hinten fest. Dass diese „Fotoshootings“ ab jetzt zu unserem alltäglichen Leben gehören werden, ahnen wir zunehmend, wissen wir zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht 😉 Die Freude über das Foto ist gross – da hält man doch gerne auf der Autobahn an, um jemandem eine Freude zu machen.

Diesel tanken

Um im Iran Diesel tanken zu können, benötigt man eine Diesel-Karte. Mit dieser kann man eine bestimmte Menge an Diesel beziehen. Die meisten Touristen besitzen keine solche Karte und sind auf die Hilfe von Tankstellen und LKW-Fahrern angewiesen. Die Fahrer besitzen eine Karte und manchmal darf man auf ihr Guthaben tanken. Manchmal besitzt auch die Tankstelle oder ein Mitarbeiter der Tankstelle solch eine Karte, die man benutzen darf. Auf iOverlander findet man Tankstelle mit solch einer Karte ziemlich einfach. Für einen Liter bezahlen wir jeweils 6’000 Rial (ca. 0.2 CHF). Bei manchen Tankstellen wird dafür 10’000 Rial (ca. 0.33 CHF) verlangt. LKW-Fahrer können einen Liter Diesel hier für 3’000 Rial kaufen. Der Preis ist vom Staat geregelt und an jeder Tankstelle gleich.

Langsam wird es dunkel und wir sehen, dass auf unserer Route keine Tankstelle eingezeichnet ist, welche eine Karte besitzt. Wir fahren eine Tankstelle an und fragen, ob sie eine Karte haben und ob wir diese benutzten dürfen. Die Kommunikation ist nicht ganz einfach, sprechen wir kein Farsi und der Tankwart kein Englisch. Er deutet uns, dass wir neben eine Tür fahren sollen. Als wir dort sind, wird mit Hilfe eines Kanisters und einer PET-Flasche, welche zum Trichter umfunktioniert worden ist, unser Tank gefüllt. Dabei landet mindestens ein Liter Diesel auf dem Boden und auf dem Chassis. Den Preis hat er vorher nicht verraten und so müssen wir für den Liter 20’000 Rial (ca. 0.66 CHF) berappen. Wir sind etwas erstaunt, denn das ist deutlich mehr als wir bis anhin bezahlt haben. Zum Glück ist der Grundpreis nicht so hoch und so ist es für uns kein grosser finanzieller Verlust, zu diesem Preis zu tanken, obwohl wir nun mehr als das dreifache für den Liter bezahlen. Lustigerweise werden wir danach auf einen Espresso eingeladen, den wir nicht bezahlen müssen – wir verstehen es nicht ganz :).

Trotz anfänglichem Schnee, Fotostopp, Organisation von Diesel und vielen kleinen Gesprächen schaffen wir heute 500 km. Die Standheizung machen wir nur noch kurz an, um das Auto etwas aufzuwärmen. Kurz vor dem Schlafen gehen hören wir ein Geräusch draussen. Ich sehe nach und bemerke, dass das letzte Stück Eis/Schnee von unserem Auto gefallen ist und am Boden liegt.

Kavir-Wüste

Wir haben in einer alten Karawanserei übernachtet. Es sind nur noch die Mauern des alten Gebäude vorhanden und zwischen den beiden Komplexen haben wir unsere Ruhe und sind von der Strasse aus nicht sichtbar. Am Morgen wird sichtbar, wie viel Salz auf den Strassen unserer Winterfahrten lag und unser Mitsu schon länger keine Wäsche mehr bekommen hat.

Da wir uns nun in die Wüste begeben, muss dieses Vorhaben noch etwas warten. Dafür haben wir unser iranisches Nummernschild befestigt und sind nun „inkognito“ unterwegs. Wobei, ein Mitsubishi L300 haben wir bis jetzt nicht auf den Strassen im Iran gefunden. Es gibt zwar einen „Delica“, jedoch von einer mir unbekannten Marke und mit leicht anderer Form. Diese werden hier als Sammeltaxi eingesetzt und haben alle dieselbe Farbe.

Karawanserei

Karawansereien boten in der Vergangenheit Reisenden mit Handelsware Schutz und die Möglichkeit zur Übernachtung. Es gab ganze Netzwerke von Karawansereien, welche im Abstand von 30 und 40 Kilometern gebaut wurden und so den Karawanen nach einem Tagesmarsch eine sichere Bleibe boten. Oft waren die Karawansereien kostenlos. Man musste jedoch seine eigene Matratze und Geschirr dabei haben.

Ab in die Wüste

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau – jetzt aber los in die Wüste. Die Strecke ist gut zu befahren und wir kommen schnell voran. Bald erreichen wir die bekannten Wellblechpisten und testen, ob unser Interior auch auf diesen Strassen hält. Das erste Mal öffnen sich die Holztüren unseres „Sideboards“, aber ansonsten bleibt alles an seinem Platz.

Bei 60 km/h fliegt man fast über die Pisten, muss aber aufpassen, nicht zu scharf in die Kurven zu fahren. Durch die verringerte Auflage fühlt es sich sehr rutschig an und der Bremsweg so wie die Rutschgefahr erhöht sich rapide.

Noch bevor wir beim Salzsee sind, sehen wir das erste Dromedar und einen grossen, grünen Van. Wir fragen uns, ob es wohl ausländische Touristen sind, denn sie haben ein iranisches Nummernschild aber bis jetzt sind wir noch auf keinen iranischen Camper gestossen. Sie schauen uns genau so verwundert an wie wir sie und wir stoppen für einen kurzen Schwatz. Es sind keine Iraner sondern eine Familie aus Argentinien, welche in Andorra lebt und unter anderem einen italienischen Pass besitzt. Ziemlich spannende Kombination und wir tauschen ein paar Reisegeschichten und Kontaktdaten aus. Mal sehen, ob wir ihnen nochmals begegnen – für sie sind wir auch die ersten Reisenden seit längerer Zeit. Auch wir haben seit Kappadokien auf dem Camping niemanden mehr getroffen. Sarah und Sämi natürlich ausgeschlossen.

Dromedars

Leider hat ein Offroad-Fahrzeug in der Zwischenzeit die Verfolgung des Dromedars aufgenommen und es ist geflüchtet. Nach weiteren 5 Minuten Fahrt, sehen wir jedoch bereits die nächste Gruppe von Dromedars. Wir können unseren Augen kaum trauen, so schön ist das Bild für uns. Die steppenartige Landschaft, die spazierenden Dromedars und die Dünen im Hintergrund verzaubern uns. Es ist eine Stelle am Beginn dieser Wüste, relativ einfach zu erreichen, doch uns reicht der Anblick völlig aus und lässt uns in eine andere Welt eintauchen.

Salzsee

Wir folgen weiter dem Salzsee und fahren über einen trockenen Ausläufer. Zum Glück ist der Ausläufer trocken, ansonsten kann es ziemlich schnell schlammig werden und wir würden uns womöglich festfahren. Weil bereits alles trocken ist, hat sich eine dicke Salzkruste am Boden gebildet und die „Fahrspur“ ist gut sichtbar.

Sanddünen

Nach einer kleinen Stärkung und etwas relaxen, machen wir uns auf den Weg zur Düne für den Sonnenuntergang. Als wir oben ankommen, können wir es kaum glauben: Auf der anderen Seite der Düne geht es mit weiteren Dünen weiter und vor uns bietet sich ein spektakuläres Panorama. Den Mitsu sehen wir nur noch ganz klein am Rande der Düne stehen und nach einem kurzen Fotoshooting mit einer iranischen Familie machen wir uns wieder zurück zum Auto, begleitet von der verschwindenden Sonne am Horizont.

Tierische Begegnungen

Nach dem Abendessen bekommen wir noch Besuch von einer kleinen Wüstenmaus, welche unerschrocken den Boden nach etwas Essbarem absucht. Und es wird nicht der letzte Besucher sein heute Nacht.

Immer wiede, suche ich mit der Taschenlampe die Umgebung nach Wüstenfüchsen ab, kann aber keinen erspähen. Einmal glaube ich, ein paar leuchtende Augen gesehen zu haben, bin mir aber nicht sicher.

Die Nacht ist klar und ich sehe über mir viele Sterne, jedoch wirken diese etwas weniger hell als in den Bergen. Die Müdigkeit holt uns bald ein und wir schlafen friedlich ein.

In der Nacht erwache ich, weil das ganze Auto wackelt. Ich höre hin, um den Grund zu erkennen. Wind ist es nicht und bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt wird sich wohl auch niemand einen Scherz erlaubt haben, uns einen Schrecken einzujagen. Zwar haben wir andere Autos gesehen, diese sind aber weiter in die Dünen reingefahren. Mit einem etwas unguten Gefühl schlafe ich wieder ein – Sarah hat von allem nichts mitbekommen.

Am Morgen finden wir eine mögliche Erklärung für das Rütteln: An der Rückseite des Autos finden wir viele Spuren von Wüstenfüchsen im Sand. Wir haben dort das Wasser der Teigwaren ausgeleert und das hat wohl ihr Interesse geweckt. Vielleicht ist einer auf den kleinen Vorsprung beim Auto gestiegen und hat so das Rütteln ausgelöst. Wir sind uns nicht ganz sicher, halten diese Theorie aber für plausibel.

Dromedare zum Zweiten

Leider müssen wir schon wieder weiter, denn wir haben nicht mehr viele Tage, bis unser Visa ausläuft und bis Yazd liegen noch über 400 Kilometer vor uns.

Auf dem Rückweg treffen wir auf viele iranische Touristen, welche mit ihren Offroad-Fahrzeugen die Wüste unsicher machen wollen. Denn es ist Donnerstag und am Donnerstag beginnt ihr Wochenende.

Wir entdecken nochmals eine Gruppe von Dromedaren und getrauen uns dieses mal etwas näher ran. Was für ein schöner Abschluss dieser kurzen Expedition in die Wüste von Kavir.

Übernachtungsorte: 18.01. Umgebung Kashan / 19.01. Kavir Wüste

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