Iran, Abyaneh

Datum: 20. Januar 2022

Das rote Dorf

Abyaneh ist eines der ältesten Dörfer im Iran und es haben viele Traditionen bis heute Bestand gehalten. Die Männer und Frauen aus Abyaneh tragen immer noch die traditionellen Kleider und die Häuser werden wie früher mit einer Mischung aus Stroh und Erde verputzt. Der hohe Eisengehalt in der Erde verleiht dem Dorf den roten Schein.

Für eine Eintrittsgebühr erhält man Zugang zum Dorf und eine Broschüre mit einer Karte und Infos zu den einzelnen interessanten Orten im Dorf. Wir müssen keinen Eintritt bezahlen, da wir über keine inländische Bankkarte verfügen. Anscheinend kommen hier nicht viele Touristen ohne Bankkarte hin :).

Bevor man nach Abyaneh kommt, fährt man auf eine Bergkette zu, welche paradiesisch aussieht. Das Fotografieren sollte man hier lieber sein lassen, denn nicht unweit davon entfernt, befindet sich die Atom-Anlage von Natanz. Etwas mulmig ist uns schon, als wir diese Strecke fahren, aber die offiziellen Wegweisen führen uns über diese Route.

Abyaneh liegt auf 2208 m ü. M. und das bekommen wir zu fühlen. Wir sind spät dran und die Sonne verschwindet langsam hinter den Bergen als wir durch das rote Dörfchen schlendern. Beim Fotografieren gefrieren uns fast die Hände ab. Zudem weht ein kalter Wind, der die Temperaturen nach unten drückt. Obwohl das Licht nicht perfekt ist und die Kälte langsam von uns Besitz ergreift, schlendern wir umher und entdecken das Dorf.

Ein Kaffee finden wir keins, aber auf einem Feuer bereiten uns drei Männer einen Tee zu und bieten uns Ash an. In den vergangenen Tagen haben wir immer wieder versucht, etwas Vegetarisches zu bestellen und sind meist bei dieser dickflüssigen Suppe gelandet. Es gibt verschiedene Arten dieses Gerichtes. Die im Iran beliebte Ash-e reshteh besteht aus folgenden Zutaten: Spinat, Kräuter, Hülsenfrüchte, dicke spaghettiartige Nudeln, Zwiebeln, getrocknete Minze und Kashk (Molke auf Quarkbasis). Leider haben wir oft die Variante mit Fleisch erwischt. Diese heute ist vegetarisch und schmeckt gut.

Nach dieser Stärkung und neuer Wärme geht es weiter, den Rest des Dorfes zu erkunden. Der ansonsten anscheinend sehr touristisch überlaufene Ort wirkt heute wie ausgestorben. Es scheint, als richte sich das Dorf sehr nach dem Tourismus aus und für jenen ist aktuell nicht Hauptsaison.

Die sinkenden Temperaturen und die fehlende Möglichkeit irgendwo in einer warmen Stube ein Tee zu trinken, treiben uns zurück zu unserem Van. Etwas ausserhalb von Abyaneh befindet sich eine Zufahrt zu einem kleinen Tal, welches noch etwas höher in die Berge führt. Wir wollen dort unser Nachtlager aufschlagen und Morgen weiter nach Yazd fahren.

Schlafplatz in den Bergen

Gerade noch rechtzeitig vor der Dunkelheit finden wir einen schönen Platz für die Nacht, kochen etwas und machen uns bereit fürs Bett. Die Standheizung lassen wir die ganze Nacht laufen, denn es ist kalt geworden und man merkt die Höhe hier in den Bergen. Wir machen Spässe, dass wir doch in der Wüste die langersehnte Wärme gefunden haben und nun doch wieder in die Berge und somit in die Kälte gefahren sind.

Gegen 03:30 Uhr erwache ich und merke, dass die Standheizung ausgeschaltet hat. Ich versuche sie nochmals zu starten – ohne Erfolg. Sarah wacht auch auf und wir versuchen es noch ein zweites Mal. Leider wieder kein Erfolg. Wir hören, dass die Flamme nicht gezündet wird und vermuten ein Problem mit der Dieselzufuhr. Zum Glück ist es noch warm im Auto und so lassen wir die Standheizung ausgeschaltet bis am Morgen.

Der erneuter Versuch, die Standheizung am Morgen einzuschalten, scheitert leider auch: Fehlermeldung „13“. Eine mögliche Ursache hierfür ist unzureichende Kraftstoffversorgung. Kombiniert mit der Temperaturanzeige des Aussenbereichs, welche aktuell -13° anzeigt, ist der Fall wohl klar: Der Diesel hat angefangen zu gelieren.

Startprobleme

Ich versuche den Motor zu starten – ausser einem heiseren Rumpeln passiert nichts. Mist, gelierter Diesel in den Bergen, welche über eine nicht befestigte Strasse erreichbar sind, kein Handyempfang und unser Visa läuft bald aus.

Wir versuchen unsere Kontakte in der Schweiz um Rat zu fragen und füllen den Reservekanister in den Tank. Nach etwas pumpen und einiger Zeit warten, dass die Temperaturen wärmer werden, versuche ich es erneut – selbes Problem.

Gegen Mittag geben wir auf und machen uns zu Fuss auf den Weg zur Mautstation von Abyaneh. Glücklicherweise ist diese nur 20 Minuten Gehzeit entfernt. Nachdem wir unser Problem geschildert haben, ruft der Wärter jemanden an und wir fahren kurze Zeit später in einem blauen Zamyad zu unserem Auto.

Hilfe ist Unterwegs

Als erstes versuchen die beiden freundlichen und aufgestellten Männer den Mitsu zu überbrücken. Durch die vielen vorangegangenen Versuche den Motor zu starten, ist die Batterie nicht mehr voll geladen.

Da dies jedoch nicht die Ursache für die Startprobleme sind, hilft das Überbrücken nichts. Als Resultat blinken nun alle Warnlampen, wenn die Zündung betätigt wird. Auch für die beiden Männer ist sofort klar, es benötigt einen anderen Weg, doch dafür müssen wir auf die Teerstrasse.

Als nächstes wird der Mitsu sorgfältig und langsam über die hügelige Schotterpiste zur Mautstation abgeschleppt. Unser Abschleppseil kommt heute das erste Mal zum Einsatz, denn es ist deutlich dicker und stabiler als das, welches unsere Helfer dabei haben.

Mir wird ein Telefon gereicht und so erhalte ich Anweisungen auf Englisch, was gemacht werden muss. Während Sarah schon einen Tee mit Rosenwassergeschmack im Mauthäuschen serviert bekommt, sitze ich bereit auf dem Fahrersitz, neben mir einer der beiden Männer: Wir lassen den Mitsu den Hang runter rollen und versuchen den Motor über das langsame Kommen der Kupplung zum Laufen zu bringen. Beim zweiten Anlauf funktioniert es und stotternd läuft der Motor an.

Der Motor läuft nun wieder aber eine Warnlampe leuchtet immer noch. Das macht unseren iranischen Helfern Sorge. Ich versuche ihnen zu erklären, dass ich beim Pumpen wohl ein Kabel abgerissen habe und deshalb nun das Warnsignal für „Wasser im Dieselfilter“ leuchtet. Mit der Verständigung hapert es und sie empfehlen mir den Besuch einer Werkstatt. Mittlerweile sind durch Zufall die Familie aus Argentinien zu unserer Runde gestossen. Ich versuche mit Jose (dem Argentinier) zusammen das Kabel wieder anzuschliessen und siehe da: Es leuchtet kein Warnsignal mehr. Erst jetzt sind alle beruhigt und glauben mir, dass alles in Ordnung ist und lassen uns gehen :). Als ich dem Helfer für seine geleistete Arbeit zahlen will, lehnt dieser ab. Erst denke ich, dass es Taarof ist und frage zur Sicherheit noch zwei, drei weitere Male nach. Weiterhin will der Mann kein Geld von mir und so bedanken wir uns für die Arbeit und wünschen ihm alles Gute. Vielen Dank auch hier nochmals für die Hilfe und das Organisieren.

Taarof

Wer sich nun fragt, was Taarof ist, hier eine sehr kurze und abgespeckte Erklärung: Taarof ist eine Höflichkeitsform und bedeutet für unseren Alltag hier, dass wir mindestens zwei mal nachfragen müssen, wenn das Gegenüber ablehnt oder uns etwas (umsonst) anbietet. Dies ist ein bisschen vergleichbar mit der Schweizer Mentalität, dass niemand zum Beispiel das letzte Stück Kuchen nimmt und es allen anbietet und alle ablehnen, bis es dann doch jemand nimmt (aber eigentlich wollten es alle). Taarof ist für uns zum Beispiel auch wichtig in Bezug auf Einladungen. Oftmals koppelt sich an eine Begrüssung fast zeitgleich eine Einladung. Diese kann ernst gemeint sein aber auch als höfliche und respektvolle Redewendung dienen. Auch hier müssen wir mehrmals ablehnen, damit die Ablehnung der Einladung nicht als reine Höflichkeit wahrgenommen wird, während der Einladende aus Höflichkeit seine Einladung mehrmals wiederholt.

Wenn es wirklich interessiert, was Taarof ist, sollte dazu Wikipedia oder eine andere Seite kontaktieren und sich einlesen. Denn auch wir waren erstaunt, wie weitreichend die Bedeutung von Taarof ist.

Übernachtungsort: 20.01. Umgebung Abyaneh

Ein Gedanke zu „Iran, Abyaneh

  • 30. Mai 2022 um 23:03 Uhr
    Permalink

    Hallo ihr Lieben
    Ich habe eine Frage zur Lesereihenfolge: Ist dieser Blogeintrag zu Abyaneh der Folgeeintrag zum Eintrag zu Van vom 12. Januar? Oder habe ich das was verpasst?

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert