Bosnien und Herzegowina, Drežnica

Datum: 19. – 20. August 2021

Baden in Donja Drežnica

Die Kletterwand oberhalb von Mostar hat unsere Kletterlaune angespornt und wir freuen uns darauf, die Kletterrouten in Drežnica auszuprobieren. Doch es ist erst Mittag und noch zu heiss. Im Kletterguide ist eine Badestelle beschrieben beim Motel „Odušak“. Dort angekommen, erwartet uns gähnende Leere, doch es scheint offen zu sein. Nett werden wir begrüsst und während wir unseren Kaffee trinken, fragen wir uns, ob dies hier immer so leer ist. Es scheint alles bereit für Gäste zu sein. Die Badestelle ist schön angelegt und sauber. Zwei weitere Personen kommen aus dem Motel, ich glaube, es sind Motelgäste.

Wir lassen den „Mitsu“ stehen und spazieren weiter Richtung Ortskern. Und dort, gleich nach der Brücke, sehen wir erneut eine Badestelle. Wir holen unseren Bus und verbringen den gesamten Nachmittag hier. Die Badestelle wird rege genutzt: Familien, die auch den ganzen Nachmittag hier baden, ein älteres Paar, welches wirkt, als würde es jeden Tag hierhin kommen, eine Gruppe von Jugendlichen, die gemütlich ein Eis hier geniessen und Männer, die kurz stoppen, im Schatten plaudern und dann noch ihren Feierabendschwumm nehmen. Wir bleiben nicht unbemerkt. Zwei Männer sprechen Flo an, von wo wir sind und wie uns Bosnien und Herzegowina gefällt. Während das Gespräch zwischen Flo und den beiden Männern weitergeht, ziehe ich mich aus dem Gespräch zurück, denn so lange kann ich dann doch nicht im Wasser bleiben. Von ihnen erfährt Flo, dass die Strasse nicht in diesem Tal endet, sondern wir mit unserem Auto über eine Schotterstrasse weiterfahren können und dann so beim Blidinje-See eintreffen werden. Unsere Neugierde ist geweckt, dazu später.

Am nächsten Tag stoppen wir erst kurz beim Motel für ein kleines Mittagessen. Heute sind einige Leute da, baden und verbringen Zeit hier. Uns zieht es wieder zur Badestelle im Ortskern, die Stimmung hat uns dort sehr gefallen. Die eine Familie ist auch wieder hier und das alte Paar an seinem Platz wie gestern mit denselben Tätigkeiten. Es gesellt sich eine weitere Familie dazu. Die Frau beginnt einem Mädchen die Haare im „Wasserbecken“ zu waschen. Es scheint dann wie eine Kettenreaktion zu geben und fast alle Menschen, die sich hier befinden, starten mit Haare waschen. Es würde wohl niemanden stören, wenn wir dies nun auch machen würden, aber wir bleiben bei unserem Grundsatz, nicht die normalen Shampoos in natürlichen Gewässern zu nutzen und nehmen unsere Naturduschen einfach nur mit Wasser.

Klettern in Drežnica

Als wir in der Abendsonne in das Klettergebiet gehen, sind wir die einzigen Menschen hier. Der Platz wirkt heute sehr verlassen, aber ich kann es mir gleich bildlich vorstellen, wir man hier als Gruppe Grillieren kann, klettert und dazwischen ein Nickerchen in der Hängematte macht. Natürlich vorausgesetzt, man hat sich zuvor gut mit Insektenschutz eingesprüht, denn wie so oft erwarten uns auch hier viele Mücken.

Klettergebiet Drežnica, Sektor Mastan und Sektor Kuk ciklame

Der Sektor Mastan liegt nach etwa drei Minuten Fussweg vor uns. Ich freue mich. In diesem Sektor sind mehrere Routen beschrieben, die in meinem Kletterbereich liegen und womöglich habe ich von oben einen schönen Blick auf die beiden umliegenden Flüsse. Als wir dann die Routen genauer anschauen, sehen wir, dass bei einigen Routen die Umlenkstelle nicht mehr vorhanden ist oder rostig wirkt. Ich merke, wie Enttäuschung in mir aufkommt. So ein schöner Platz und dann erwartet mich Unklarheit in Bezug auf die Instandhaltung der Routen. Ich klettere um den Fels herum. Dort hat es weitere Routen, auch diese wirken teilweise rostig (Sektor Kuk ciklame). Wahrscheinlich halten diese schon, aber sicher sind wir uns beide nicht und ich bin verunsichert. Deshalb entscheiden wir uns, einen anderen Sektor auszuwählen und zu einem späteren Zeitpunkt dem zuständigen Kletterklub zu schreiben, was wir beobachtet haben.

Klettergebiet Drežnica, Sektor Školski und Sektor Tunel

Diese Sektoren befinden angenehm in einem Mix von Schatten und Sonnenstrahlen. Hier wirkt alles in Ordnung. Wir nutzen die letzten Sonnenstrahlen für erste Routen und klettern dann weitere am nächsten Vormittag. Es gibt die eine oder andere abgegriffene Stelle, aber auch sehr griffigen Felsabschnitte. Die Routen gestalten sich abwechslungsreich und vielseitig.

Übernachtung

Gemäss unserem Kletterguide, kann man beim Klettergebiet selbst campieren mit einer Info an den Grundstückbesitzer. Dort angekommen realisieren wir, dass viele schöne Plätze auf ebenen Flächen und umgeben von Bäumen vorhanden sind, diese jedoch nur zu Fuss erreichbar sind – also wunderbar für mit einem Zelt oder mit einer Hängematte. Mit einem Van sind diese Plätze aber nicht zu erreichen.

Wir gehen auf Personen im Haus neben an zu und fragen, ob sie wissen, wo wir den Grundbesitzer finden, damit wir allenfalls auf dem Parkplatz übernachten könnten. Sie sagen, sie wissen nicht, wenn wir fragen müssten, aber es sei kein Problem, wenn wir dort bleiben. Ein schöner Platz ist es nicht, aber wir schlafen ruhig und wir haben nur wenige Minuten zu den ausgewählten Sektoren.

Offroadstrecke von Donja Drežnica zum Blidinje See

Der Weg führt über eine geterrte, eher schmale Strasse durch das Tal bis etwa zum Bach Lavaluša. Die Nachmittagssonne lässt die verschiedenen Rot-, Orange-, Grün- und Grautöne dieses Tals besonders schön zur Geltung kommen. Schon beim Start sind wir beide froh, haben wir den Tipp für diese schöne Strecke bekommen. Kaum hat die Strasse den kleinen Bach überquert, verwandelt sie sich zu einer Schotterpiste. Die Strecke beinhaltet von Schotterabschnitten bis grosse Steine und ausgewaschene Stellen alles. Alles in allem doch gut fahrbar. Meist sind es die Kurven, die meine Konzentration und Aufmerksamkeit voll und ganz in Anspruch nehmen. Ich fühle mich sicher, es macht Spass und die tolle Aussicht auf das Tal wunderbar. Wir begegnen einem Lieferwagen, ansonsten sind wir ganz für uns. Für einen kurzen Moment werden wir fast etwas übermütig und Flo fährt ein kleines Wegstück auf dem hinteren Trittbrett mit.

Und dann erreichen wir die Anhöhe und sind fast bei dem uns bekannten Restaurant „Bosiljna“. Hier verändert sich komplett die Landschaft. Das eben durchfahrene Tal war steinig aber mit viel grün und hier erwartet uns die karge, goldige Hochebene. Es war eine tolle Fahrt und zufrieden schlummern wir am Blidinje-See in einen erholsamen Schlaf.

Übernachtungsorte: 19.08. Umgebung Drežnica / 20.08. Umgebung Blidinje Jezero

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