Oman, Rub al-Khali

Datum: 26. M├Ąrz – 30. M├Ąrz 2022

Vorbereitung f├╝r eine intensive Zeit in der W├╝ste

Bevor wir auf die geplante Tour aufbrechen, m├╝ssen erst unsere Vorr├Ąte aufgef├╝llt werden. Dazu z├Ąhlt: Wasser, Diesel, Essen, K├╝hlerfl├╝ssigkeit, ein Holz f├╝r unsere geplante Terasse und Martina und Tobi m├╝ssen noch ihren K├╝hlschrank zwischenlagern.

Es dauert etwas, aber wir bekommen alles organisiert und k├Ânnen uns endlich auf den Weg zur W├╝ste machen. Auf dem Weg f├╝llen wir unsere Holzvorr├Ąte f├╝r das Lagerfeuer. Bei der letzten Tankstelle (22.40448, 56.85004) f├╝llen wir nochmals unseren Tank und g├Ânnen uns ein letztes Eis.

Die Sonne steht schon tief und wir wollen nicht mehr all zu weit fahren. Einen ersten Stellplatz f├╝r die Nacht ist schnell gefunden. Wir platzieren uns nicht weit von der Tankstelle entfernt neben der Strasse hinter ein paar B├╝schen. Kaum angekommen beginnen wir mit der Konstruktion f├╝r unser Dach. Wir haben uns eine Holzplatte gekauft, die wir auf dem vorderen Teil des Dachtr├Ągers befestigen wollen, um den zus├Ątzlichen Dieselkanister darauf zu befestigen. Dieser Gedanke schwirrst mir schon lange durch den Kopf, mangels Nutzen haben wir das Projekt nie angegangen. Jetzt haben wir neben dem Nutzen auch noch die M├Âglichkeit, die Platte als Terrasse zu nutzen – mal schauen wie oft das passiert.

Tobi und Martina m├╝ssen auch noch Arbeiten erledigen, denn ihr neuer K├╝hlschrank muss noch f├╝r die Wellblechpisten und Offraodfahrten befestigt werden. Gemeinsam t├╝fteln wir an den Konstruktionen herum und suchen nach L├Âsungen. Es ist bereits dunkel als alles erledigt ist und wir gem├╝tlich unser Abendessen geniessen. Es ist windstill und ruhig. Auch wir sind innerlich ruhig und f├╝hlen uns bereit f├╝r die kommenden Tage in der W├╝ste.

Auf ein Lagerfeuer verzichten wir f├╝r diese Nacht. Die riesigen Spinnen, die Skorpione und die fortschreitende M├╝digkeit lassen uns bei Zeiten in unsere Wohnungen verschwinden und in Ruhe einschlafen.

Tag 1: Der Sand kommt sofort und wir meistern die ersten D├╝nen

Noch vor der grossen Hitze machen wir uns auf den Weg. Zu unserer ├ťberraschung k├Ânnen wir weiterhin einer frisch geteerten Strasse folgen. Der schwarze Asphalt bahnt sich seinen Weg durch die Ein├Âde – von D├╝nen ist noch keine Spur zu sehen. Daf├╝r passieren wir einige ├ľlfelder mit Raffinerien. Wir wollen unser Gl├╝ck versuchen und bei einer eingezeichneten Tankstelle ein Eis kaufen. Leider gibt es hier kein Eis und das Milit├Ąr ist pr├Ąsent. Bevor wir Fragen gestellt bekommen, machen wir uns aus dem Staub, bzw. zur├╝ck auf die geteerte Strasse.

Vom Teer zum Sand

Der Wind nimmt immer st├Ąrker zu und der Sand fegt nur so ├╝ber die Strasse. Bald verlassen wir die sch├Âne Teerstrasse und die Piste beginnt. Es handelt sich um eine Schotterpiste, die einfach zu befahren ist. Pl├Âtzlich ├Ąndert sich das Bild, denn der Wind hat viel Sand auf die Strasse geweht und es wird immer schwieriger, vorw├Ąrts zu kommen. Martina und Tobias fahren mit ihrem Landrover voraus und erkunden die Verh├Ąltnisse. Als sie drehen wollen, ist es schon passiert und sie haben sich festgefahren. Wir sind etwas eingesch├╝chtert und brechen die Spitze des ersten Sandh├╝gels von Hand, um nicht aufzusetzen. Sarah ist schon etwas nerv├Âs und fragt sich, was da noch kommt. Schliesslich ist es das erste Mal, dass wir in eine Sandw├╝ste fahren und l├Ąnger auf Sand unterwegs sein werden. Wir kennen unsere Grenze noch nicht und wollen uns nicht alle f├╝nf Meter festfahren.

Mit etwas Luft ablassen und vorsichtiger Routenwahl (hier ein grosses Danke an Tobias und Martina f├╝rs Vorfahren) klappt es aber. Mit jeder gemeisterten kleinen D├╝ne/Sandh├╝gel gewinnt auch Sarah das Vertrauen und will nun auch nicht mehr umkehren. Nach einer Weile wird die Piste wieder besser und wir kommen gut voran. Beim Salzsee haben wir keine Angst, da die Piste deutlich zu erkennen ist und am Horizont sehen wir bereits die ersten grossen D├╝nen erscheinen.

Erste Panne

Langsam wird es Zeit f├╝rs Essen. Tobi steuert zur├╝ck auf die Strasse und will schauen, ob wir dort besser fahren k├Ânnen. Wir sehen, dass er Gas gibt und dann steht alles still: Dem Defender ist eine unterdimensionierte Sicherung durchgebrannt. Zum Gl├╝ck kennen die Beiden das Problem bereits, bauen kurzerhand den Sitz aus und k├Ânnen das Problem reparieren. Wir nutzen die Zeit und bereiten schon mal etwas zum Essen zu. Der Wind gibt unterdessen sein Bestes, den Sand sowohl in unseren Autos wie auf uns m├Âglichst gleichm├Ąssig und ├╝berall zu verteilen. Begleitet wird der Moment mit einer flimmernden Umgebung, ausgel├Âst durch die Hitze.

Erste ├ťbernachtung in der W├╝ste

Alles l├Ąuft wieder und gest├Ąrkt geht es weiter. Wir weichen von der geplanten Route ab und bahnen uns einen Weg zwischen den D├╝nen durch. Der Untergrund wird langsam etwas weicher, aber Tobi und Martina kundschaften schon mal die Strecke aus. Wir folgen mit gutem Abstand und zusammen finden wir unseren ersten ├ťbernachtungsplatz. Dazu m├╝ssen wir die ersten gr├Âsseren D├╝nen ├╝berqueren. Mit viel Schwung, wenig Reifendruck und Mut klappt auch dies.

Als wir am Abend f├╝r den Sonnenuntergang auf die D├╝nen wandern, nimmt der Wind nicht ab. Oben bl├Ąst es uns den Sand um die Ohren, was aber der Sch├Ânheit dieser Gegend keinen D├Ąmpfer verpasst.

So geht der erste Tag in der W├╝ste zu Ende. Nach anf├Ąnglichen Schwierigkeiten haben wir weiter an Selbstvertrauen gefasst und haben uns schnell mit den Umgebungsbedingungen angefreundet. Mit voller Vorfreude schauen wir auf die kommenden Tage in dieser spannenden und faszinierenden Umgebung.

Tag 2: D├╝nenmeer um D├╝nenmeer

Der Wecker klingelt, mein Blick schweift umher und ich sehe, dass ├╝berall Sand auf dem Bett liegt. Auch im Gesicht f├╝hlt es sich sandig an, die Kopfhaut ist mit einer Sandschicht ├╝berzogen und auch die Ohrinnenr├Ąume sind nicht verschont geblieben. Der ganze Sand in der Luft ist durch den kleinen Spalt des ge├Âffneten Dachfensters in den Innenraum gekommen und hat alles ├╝berzogen. Als wir den Sand zusammen wischen, sehen wir erst das komplette Ausmass.

Grenze zu Saudi Arabien

Nach dem Fr├╝hst├╝ck und Auftanken aus den Kanistern fahren wir zur├╝ck zur Piste. Der Track f├╝hrt uns nahe an die Grenze zu Saudi Arabien und wir kontrollieren immer wieder, ob wir noch richtig sind. Denn wir wollen nicht illegal nach Saudi Arabien einreisen, weil wir auf der falschen Seite der D├╝ne gefahren sind. Die Piste ist gut erkennbar und wir bleiben in sicherer Entfernung zur Grenze.

Drittgr├Âsste D├╝ne im Oman

Um zu der drittgr├Âssten D├╝ne im Oman zu gelangen, muss man die Piste verlassen und einige Kilometer ohne Strasse auskommen. Trotz vorg├Ąngiger Analyse der Satellitenbilder in der Vorbereitung wissen wir nicht, was uns erwartet, haben aber den GPS Track zur Verf├╝gung. Schnell kommen wir zu den ersten D├╝nen, welche keine Umfahrung mehr zulassen. Da wir heute die D├╝nen von der „falschen“ Seite anfahren m├╝ssen, steht uns eine schwierige Anfahrt bevor. Sarah schafft unter Anleitung von Tobias die erste kleine D├╝ne ohne Problem.

Danach folgen viele weitere D├╝nen, die ├╝berfahren werden m├╝ssen. Immer wieder m├╝ssen wir aus unseren Autos aussteigen und den Weg zu Fuss ablaufen. Der Weg ist sehr schwer zu finden und so legen wir viele Meter zu Fuss zur├╝ck, bevor wir uns wieder ein paar Meter mit den Autos vorw├Ąrts bewegen. Vor jeder zu ├╝berwindenden D├╝ne ist unsere volle Konzentration auf der hoffentlich korrekten Routenwahl. Bei der ├ťberquerung wechseln sich Nervosit├Ąt und Freudenspr├╝nge ab. Kaum ist die D├╝ne erfolgreich ├╝berquert, schnellt das Adrenalin hoch, denn die Gef├╝hle, welche durch diese Fahrerlebnisse ausgel├Âst werden, sind so toll, dass man am liebsten gleich die n├Ąchste D├╝ne anfahren m├Âchte – wohlwissend, dass nun aber zu erst wieder in Ruhe und mit viel Aufmerksamkeit der n├Ąchste Abschnitt durchdacht werden muss ;).

Wir arbeiten uns von D├╝nenfeld zu D├╝nenfeld weiter, doch irgendwie scheint die ersehnte drittgr├Âsste D├╝ne nicht in machbarer N├Ąhe zu liegen. Mittlerweile ist es Nachmittag und dadurch der Sand weicher als Vormittags, was die ├ťberquerungen zus├Ątzlich erschwert. Nach etlichen Schaufelaktionen und vielen ├╝berquerten D├╝nen sind wir im Begriff aufzugeben und das Nachtlager aufzuschlagen. Tobi unternimmt noch einen Versuch und findet tats├Ąchlich einen Weg, um das vor uns liegenden D├╝nenmeer herum und der Weg zur grossen D├╝ne liegt nun frei.

Nachtlager auf der D├╝ne

Ob wir die drittgr├Âsste D├╝ne vom Oman erreicht haben oder nicht, wissen wir bis heute nicht. Diese Information haben wir aus der Trackbeschreibung, welche wir als Basis f├╝r unsere Routenplanung genutzte haben. Doch wir konnten keine weitere Quellen finden, die beschreiben, wo genau die drittgr├Âsste D├╝ne liegt. Uns ist es egal, denn nicht nur die D├╝ne, bei der wir unser Nachtlager aufschlagen wollen, ist sehr gross, sondern auch unsere Gl├╝cksgef├╝hle. Hat vorher die M├╝digkeit und die Ersch├Âpfung fast ├ťberhand genommen, sind wir nun wieder alle hellwach, begeistert und stolz.

Beim Hochfahren fahren wir fast in ein grosses Loch, welches wir erst im letzten Moment erkennen. Beim Ausweichen kriegen wir ziemlich Schr├Ąglage und Tobias und Martina zieht es hinter uns den Magen zusammen, als sie dies sehen. Gl├╝cklicherweise kippen wir nicht und ich kann sch├Ân aus der Schr├Ąglage raus beschleunigen und die D├╝ne weiter anfahren. Bevor wir uns in etwa der H├Ąlfte der D├╝ne f├╝r die Nacht stationieren, fahren Tobi und ich noch fast bis zum h├Âchsten Punkt und drehen eine Runde.

Die Umgebung hier ist einfach traumhaft. Die D├╝nen leuchten orange-rot und dazwischen gl├Ąnzen die weissen flachen Abschnitte. Am Abend steigen wir noch bis zur Spitze der D├╝ne auf und beobachten den Sonnenuntergang von dort aus. Der Wind ist zwar noch da, aber es ist viel angenehmer als am Vortag.

Auch der n├Ąchste Tag bringt wundersch├Âne Szenerien mit sich und die Morgensonne taucht die Umgebung in ein wundersch├Ânes Licht.

Tag 3: Heute geht es vorw├Ąrts

Nach dem morgendlichen Fotoshooting machen wir uns wieder bei Zeiten auf den Weg. Wir m├╝ssen erneut viele D├╝nenmeere ├╝berqueren, bevor wir wieder auf die Piste kommen und wollen dies nicht bei der gr├Âssten Hitze und Hunger machen. Zu unserem Erstaunen finden wir den Weg von dieser Seite her ziemlich einfach und kommen schnell vorw├Ąrts. M├Âglicherweise tr├Ągt dazu bei, dass wir heute die D├╝nen von der „richtigen“ Seite anfahren und gleich fr├╝h Vormittags diesen Streckenabschnitt bew├Ąltigen k├Ânnen. Nat├╝rlich fahren wir uns trotzdem hin und wieder fest. Wir unterst├╝tzen uns in unserer 4er-Gruppe gegenseitig, was das Freischaufeln deutlich beschleunigt. Wenn wir uns festfahren, k├Ânnen wir einige Male auf das Schaufeln verzichten, da uns Tobi und Martina dann ruckzuck aus dem Sand ziehen.

Erweiterte Route

Bei Punkt X steht f├╝r uns eine Entscheidung an: Geht es ab jetzt zur├╝ck auf die Hauptstrasse oder k├Ânnen wir noch weiter durch die W├╝ste fahren und einem Track folgen, welcher uns weiter s├╝dlich zur├╝ck auf die Hauptstrasse bringt?

Wir analysieren nochmals die herausgesuchte Strecke, pr├╝fen die gecachten Satellitenbilder, berechnen unsere noch vorhandenen Dieselmengen und kontrollieren die Wasserbest├Ąnde. Wir sehen kein Problem mit unseren Vorr├Ąten und der bevorstehenden Route. Es ist entschieden – wir fahren noch etwas weiter durch die W├╝ste, verlassen den urspr├╝nglich geplanten k├╝rzeren Track und verfolgen die neu geplante Strecke.

Von Rot zu Gelb/Weiss

Die Landschaft ver├Ąndert sich nun langsam und das Rot der D├╝nen weicht einem feinen Gelb, ja sogar weisslichen Farbton. Auch gibt es immer wieder l├Ąngere Abschnitte ohne Sand. Wir kommen sogar bei einzelnen ├ľlfeldern oder Raffinerien vorbei und haben das Gef├╝hl, dass wir nun langsam wieder zur├╝ck zur Zivilisation kommen. Doch dieser Eindruck h├Ąlt nur kurz an, schnell sind wieder nur wir vier und unseren beiden Autos in der unendlich wirkenden Umgebung.

Pl├Âtzlich scheinen die Sandd├╝nen ein Ende gefunden zu haben und wir befinden uns in einer Art Steinw├╝ste. Immer wieder tauchen einzelne h├Âhere D├╝nen auf. Bei einer stoppen wir, essen eine Kleinigkeit und f├╝llen unseren Dieseltank mit den letzten Kanistern.

Die letzte Nacht in der W├╝ste

Die Suche f├╝r den letzten Schlafplatz in der W├╝ste f├Ąllt uns nicht ganz so einfach. Tobi und Martina erkunden eine D├╝ne und ├╝ber Funkger├Ąt erfahren wir, dass sie sich dort festgefahren haben. Wir sollen schon mal weiter und beim n├Ąchsten Platz schauen. Der Defender ist definitiv etwas gel├Ąndetauglicher und so k├Ânnen wir auch nicht einfach schnell hoch fahren und die beiden raus ziehen. Das w├╝rde wohl darin enden, dass wir beide fest stecken w├╝rden. An der Kraft vom Mitsu liegt es nicht, aber unsere Reifenwahl ist f├╝r die W├╝ste nicht ideal. Tobi und Martina fahren oft mit 2.5-3 Bar herum, wo wir schon bei 1.8 Bar sind, um nicht fest zu stecken. Man merkt einfach, dass ihre Auflagefl├Ąche gr├Âsser ist als unsere.

Am Rande einer hohen D├╝ne finden wir einen guten Platz f├╝r die Nacht. Nat├╝rlich fahren auch wir uns auf den letzten Metern nochmals richtig sch├Ân fest. Als Tobi und Martina uns raus ziehen wollen, fahren sich die beiden neben uns fest. Da hilft nichts anderes, als nochmals eine Schaufelaktion einzulegen, bevor wir uns f├╝r die Nacht einrichten k├Ânnen.

Hier ist es fast windstill und wir k├Ânnen endlich unser mitgebrachtes Feuerholz verbrennen. Nach dem Abendessen sitzen wir noch eine Weile am Feuer und lassen die Reise von Tobi und Martine Revue passieren. Heute sind die beiden ein Jahr unterwegs und haben viel Spannendes gesehen und erlebt (und viel Zeit in Garagen verbracht).

Ganz gem├╝tlich ist es aber nicht, denn etwas zuvor hat Tobi eine riesige Spinne auf dem Fahrersitz gefunden. Wir haben schnell alle T├╝ren beim Mitsu geschlossen und sitzen nun mit angezogenen Beinen auf unseren Campingst├╝hlen. Immer wieder kriecht einem hier etwas ├╝ber die F├╝sse und im Dunkeln ist es schwer zu erkennen, was es f├╝r ein Tier ist und ob es m├Âglicherweise giftig ist.

Tag 4: Wenn das Ziel in die Ferne r├╝ckt

Der neue Tag beginnt nach dem Fr├╝hst├╝ck mit einem steilen Anstieg zur D├╝ne zu Fuss. Die Lunge brennt und ich merke, dass ich schon l├Ąnger keinen Sport mehr gemacht habe. Die heissen Temperaturen oder der viele Schnee haben mich davon abgehalten, anstrengende T├Ątigkeiten zu machen. Nun ja, hoch schaffe ich es trotzdem und oben bietet sich ein sch├Âner Weitblick ├╝ber unseren Schlafplatz und die Umgebung.

Unten rechts im Bild sieht man unseren Schlafplatz f├╝r die letzte Nacht in der W├╝ste

Feiner Sand ├╝berall

Wir machen uns auf den Weg und befinden uns schnell auf st├Ąndiger Suche nach dem richtigen Weg. Immer wieder kommen wir an Stellen, wo kein offensichtlicher Track mehr sichtbar ist. Die Piste endet oft in D├╝nen, welche man umfahren muss. Dahinter verbergen sich ab und an noch mehr kleine D├╝nen, welche wir durchfahren m├╝ssen. Der Sand hier ist extrem fein und wir fahren uns immer wieder fest. Zum Gl├╝ck sind wir nicht alleine hier, denn einmal fahren wir uns so richtig ├╝bel fest. Das Getriebe setzt leicht auf dem Sand auf und das hintere rechte Rad ist schon in der Luft. Ohne die Winde von Martina und Tobi h├Ątte die Befreiungsaktion hier wohl definitiv l├Ąnger gedauert.

Auch legen wir viele Meter zu Fuss zur├╝ck, um die Gegend zu erkunden und einen geeigneten Weg zu finden. Die Zusammenarbeit in unserer Gruppe klappt trotz Anstrengung und Hitze sehr gut. Jede ├ťberlegung wird ernst genommen, gemeinsam werden Ideen abgew├Ągt und niemand treibt Schnellsch├╝sse oder un├╝berlegte Aktionen an.

Die Suche nach dem richtigen Track

Nur kurze Zeit f├╝hrt uns der Track erneut an eine nicht zu ├╝berquerende D├╝ne. Wieder stehen wir vor der Entscheidung: Links oder Rechts durch. Wir entscheiden uns f├╝r Rechts. Leider folgt nach dieser D├╝ne erneut eine weitere, die uns zwingt, weiter rechts zu fahren. So geht es einige Kilometer weiter und der Punkt (wir) auf dem Navigationsger├Ąt entfernt sich immer weiter weg von der urspr├╝nglich geplanten Route. Langsam zweifeln wir an unserer Entscheidung. Wir ├╝berlegen uns, ein kleines D├╝nenmeer zu ├╝berqueren, doch es scheint, als w├╝rde uns dort nur ein „D├╝nenkessel“ erwarten. Auch das Fliegen der Drohne best├Ątigt das Bild.

Haben wir heute bis jetzt immer wieder einen Weg gefunden, der mit den gesetzten GPS-Punkten im Navigationssystem in Einklang gebracht werden konnte, stellt die aktuelle Situation eine neue Herausfordung an uns: Wir m├╝ssen einen anderen Weg einschlagen, auf den GPS-Track kommen wir wohl nicht mehr, denn auch die gecachten Satellitenbilder best├Ątigen das Bild. Nochmals gehen wir das gesamte uns zur Verf├╝gung stehendes Material durch. Ich entdecke eine eingezeichnete Strecke, welche wom├Âglich eine Strasse sein k├Ânnte, 30 Kilometer von uns entfernt.

Wir beschliessen, dass wir weitere 30 Kilometer der „D├╝nenwand“ (auf dem Bild oben sieht sie klein aus, aber in der Realit├Ąt war die neben uns vorbeiziehende Wand riesig) folgen und hoffen, dort auf eine Strasse zu treffen, welche durch die D├╝nen hindurch und zur├╝ck zur Hauptstrasse f├╝hrt. Die Dieselvorr├Ąte reichen noch gut f├╝r diese Strecke, aber wir sind uns bewusst, dass wenn dort keine Strasse ist, wir langsam zum Notfallplan wechseln m├╝ssen. Das w├Ąre, dass wir, um Diesel zu sparen, nur mit einem Fahrzeug weiter fahren und einen Weg aus der W├╝ste suchen. Nun ja, jetzt erst mal die 30 Kilometer abwarten.

Obwohl auf OsmAnd dort ein gr├Âsserer Weg, welcher zu einem Geb├Ąude f├╝hrt, eingezeichnet ist, sind wir uns nicht sicher, ob dieser wirklich existiert. So werden die 30 Kilometer zu einer Geduldsprobe f├╝r alle. Dass wir alle hungrig sind, hilft sicher nicht dabei. Jetzt jedoch eine Pause einzulegen kommt f├╝r alle nicht in Frage: Wir wollen wissen, was uns nach diesen 30 Kilometern erwartet.

Fast unwirklich endet nach 30 Kilometern die meterhohe D├╝nenwand und wir treffen auf die erhoffte Piste. Wir sind alle froh, dass diese existiert. Auf einer Wellbrettpiste geht es nun Richtung Hauptstrasse. Gef├╝hlt unglaublich schnell taucht die geteerte Strasse mit den vielen Autos und Lastwagen vor uns auf. Waren wir noch gerade umringt von riesigen Sandd├╝nen, ausgesetzt den Regeln der W├╝ste, stehen wir nun hier in der Ein├Âde, die D├╝nen und die passierte kleine Oase vom Dunst nicht mehr sichtbar.

Wadi Muqshin

Nicht weit von der W├╝ste befindet sich das Wadi Muqshin. Dort verbringen wir die letzte Nacht unserer W├╝stentour an einem Salzfluss, wischen den Sand aus unseren Autos (ja, es ist viel) und lassen nochmals die letzten Tage Revue passieren.

Fazit zur Tour durch die Rub al-Khali (The Empty Quarter)

F├╝r uns war es die erste Tour durch eine W├╝ste und dies mit dem eigenen Auto. Wir haben uns in der Vorbereitung mit den uns zur verf├╝gungstehenden Informationen intensiv auseinandergesetzt und trotzdem konnten wir uns nicht wirklich vorstellen, was uns da erwartet. Anhand der Satellitenbilder hatte ich ein etwas falsches Bild von der Umgebung. Ich dachte, dass es zwischen den D├╝nen viel mehr harten Boden gibt, auf dem man fahren kann, ohne gross Schwierigkeiten zu haben. Dies war nicht so, denn dort gab es viele kleine D├╝nen und teilweise war der Boden mit sehr weichem Sand bedeckt, was den Dieselverbrauch deutlich erh├Âhte.

Auch kann man sich schwer vorstellen, wie das Klima in solch einer lebensfeindlichen Region ist. Die Hitze alleine ist schon anstrengend, aber kombiniert mit viel Wind und dem dadurch aufgewirbelten Sand ist es nochmals eine Stufe weniger ertr├Ąglich. Nach den ersten beiden Tagen war unsere Kopfhaut mit Sand bedeckt und wir hatten keine Chance mehr, den Sand dort weg zu bekommen. Genau so erging es auch unserem Mitsu. Der Sand hat sich in jeder noch so kleinen Ritze abgesetzt und ist nur schwer wieder los zu werden.

Die detaillierte Planung und Studie der Satellitenbilder hat sich aber schlussendlich ausgezahlt und einem alternative Wege erm├Âglicht. Dies beinhaltet auch die Planung ├╝ber Wasser- und Dieselvorr├Ąte, welche in gen├╝genden Masse aufgestockt worden sind. Wir haben um die 600 km Weg durch die W├╝ste zur├╝ck gelegt und dabei 99 Liter Diesel verbrannt. Mit 40 Liter Trinkwasser und 20 Liter Grauwasser waren wir zwar nicht ├╝berdimensioniert, aber es hat gut gereicht.

Zuletzt war es eine sehr lehrreiche und wundersch├Âne Zeit. Wir haben die W├╝ste aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen und erlebt. Wir haben die W├╝ste gef├╝hlt: Sand, Hitze, die K├╝hle in der Nacht und die erbarmungslose Trockenheit, welche unseren Lippen und unserer Haut ziemlich zugesetzt hat. Trotz diesen Extremen, hat uns die Sch├Ânheit der W├╝ste ├╝berw├Ąltigt und in ihren Bann gezogen.

Zudem haben wir viel ├╝ber das Navigieren und Fahren in der W├╝ste gelernt. Nicht nur unser Wissen ist deutlich gewachsen, sondern mit jeder D├╝ne, mit jedem Schaufeln und mit jedem weiteren Meter hat sich sowohl unser Erfahrungsschatz an F├Ąhigkeiten wie auch emotionalem Zutrauen verst├Ąrkt.

Die angenommenen Grenzen unseres Fahrzeuges und dessen Ausstattung haben sich best├Ątigt, doch was mit dem „Mitsu“ alles m├Âglich ist, hat uns ├╝berrascht. Wir h├Ątten nicht gedacht, dass so viel m├Âglich sein wird. Equipment technisch waren wir gut ausger├╝stet und konnten unsere Sandbleche oft einsetzten und sind froh, dass wir vier St├╝ck davon haben und nicht nur zwei.

Zuletzt ein grosses Dankesch├Ân an Martina und Tobi, dass ihr mit uns diese Tour gemacht habt und wir gemeinsam auf dieses Abenteuer gehen konnten. Es hat viel Spass gemacht und diese Erfahrung wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Denn was wir auch wissen: Die W├╝ste fordert viel und nur mit Menschen, mit welchen man gemeinsam Nachdenken und Entscheidungen treffen kann, ist so etwas m├Âglich.

Track durch die Rub al-Khali

Vollbildanzeige

├ťbernachtungsorte: 26.03. – 29.03. Umgebug Rub al-Khali / 30.03. Umgebung Wadi Muqshin

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