Türkei, Kappadokien

Datum: 21. Dezember – 25. Dezember 2021

DIE Sehenswürdigkeit der Türkei

Wenn man etwas nicht verpassen sollte, scheint es wohl Kappadokien zu sein. Egal, ob wir mit Leuten der Türkei oder mit Reisenden verschiedenster Art sprechen, Kappadokien beeindruckt alle. Doch ist Kappadokien eigentlich ein Ort oder eine Gegend? Es ist ein Gebiet, welches mehrere Ortschaften umfasst und sich durch eine einzigartige Tuffsteinlandschaft auszeichnet.

Der Ursprung liegt gemäss unserem Reiseführer 10 bis 30 Millionen Jahre zurück. In dieser Zeit bildeten sich die Vulkane Erciyes, Hasan und Melendiz. Ihre wiederholten Ausbrüche schleuderten Tuffasche in die Umgebung, welche sich in verschiedenen Farben und Festigkeit in Schichten ablagerte. Über Erosion bildeten sich über Jahre die Tuffpyramiden, welche auch als „Feenkamine“ bekannt sind. Da wollen wir nun hin.

Die Überraschung frühmorgens

Es ist Mitte Dezember und kalt als wir in Ankara starten. Von anderen Reisenden haben wir gelesen, dass sie vergebens auf das bekannte Bild von Heissluftballons und Tufflandschaft in Kappadokien gewartet haben. Winde und weitere klimatische Bedingungen verhinderten die Ballonfahrten. Auf unserer vierstündigen Fahrt wird das Wetter zunehmend wilder. Es schneit quer und teilweise sind die Strassen vereist. Wir sind uns nicht sicher, was uns in der Gegend von Kappadokien erwarten wird. Flo muss immer wieder mal aussteigen, um den Schnee unter den Scheibenwischern zu entfernen und ich so wieder einigermassen gute Sicht auf die Strasse erhalte.

Wir haben deutlich länger für unsere Fahrt und erreichen den Ort Uçhisar erst bei Dunkelheit. Wir legen hier einen kurzen Stopp bei einem Brunnen ein, um unsere Wassertanks aufzufüllen. Doch es kommt kein Wasser raus, es scheint alles gefroren zu sein.

Für uns geht es weiter auf einer schmalen Lehmstrasse bis zu unserem Schlafplatz, welcher oberhalb des Liebestal liegt, anscheinend in der Nähe eines möglichen Startplatzes der Luftballons. Sehen tun wir nichts. Ich merke, wie beim Bremsen unser „Mitsu“ zu rutschen beginnt. Der Boden ist gefroren und am liebsten würde ich das Steuerrad abreissen und Flo geben. Das Manöver am Schluss überlasse ich Flo. Jetzt steht unser „Mitsu“ gerade, die Heizung läuft für das Abendessen und dann schlummern wir in einen tiefen Schlaf. Aufgrund der Kälte ist es aber schlussendlich eine unruhige Nacht mit mehrmaligem Aufwachen.

Wir haben den Wecker auf 07:30 Uhr gestellt, sind aber schon um 07:00 Uhr wach. Alle unsere Fensterscheiben sind hinter den Isolationsmatten mit einer Schicht Eis im Innern bedeckt, die Luft im Bus ist eisig (wir haben die Heizung über Nacht ausgeschaltet). Unser Thermometer zeigt es uns eine Aussenlufttemperatur von -8 Grad an.

Ich kann ein kleines Loch in die Eisschicht kratzen und sehe in einem Halbkreis Lichter von Autos in der Dunkelheit und höre erste Stimmen. Haben wir Glück und es werden Luftballons steigen? Was sich dann vor unseren Augen abspielt, hätte ich nicht erwartet und trotz eisiger Kälte sind wir hin und weg von dem Spektakel, welches sich vor uns ereignet.

Obwohl die eisige Luft uns trotz Thermokleidern, Mützen und Handschuhen frieren lässt, gehen wir nur jeweils kurz in den Bus zurück, um unsere Finger zu wärmen, die durchs fotografieren kaum mehr spürbar sind. Die Sonne ist noch nicht da, doch es wird heller. Während die ersten Luftballone schon hoch im Himmel oder nahe bei den Felsformationen im Tal schweben, sind andere noch in der Startphase. Mit jeder Minute werden es mehr Ballone. Ich starte mit zählen, komme auf 80 Luftballone und es sind noch lange nicht alle in der Luft. Und dann beginnt sich der Himmel von den Blautönen in gelbe und orange Farben zu verwandeln, die Morgensonne kommt langsam zum Vorschein und beginnt erste Tuffformationen zu beleuchten.

Wandern im Gebiet Kappadokien

Nun wollen wir die Gegend zu Fuss erkunden. Während unserer Kappadokien-Zeit machen wir drei verschiedene Wanderungen und „verirren“ uns doch ab und zu, denn die kleinen schmalen Trampelpfade verlaufen teilweise im Nichts.

Rosental

Am besten gefiel uns die Wanderung durch das Rosental. Vielleicht sind wir auch gewisse Teile durch das Rote Tal gelaufen, aber das konnten wir irgendwie bis heute nicht ausfindig machen. Die Farben und Formationen in diesem Tal sind sehr beeindruckend und abwechslungsreich. Wir wählten als Start die Ortschaft Çavuşin und nutzten zuerst die Wege innerhalb des Tals mit einem Stopp bei einem gemütlichen Cafe mitten in dieser Landschaft. Wir wanderten bis zum Gipfel Bozdag, welcher ein toller Panoramausblick auf die Region ermöglichte und kehrten dann auf dem höher gelegenen Weg zurück nach Çavuşin. Dies hat sich sehr bewährt. Die imposanten Farben und Stimmungen wurden durch das tolle Wetter an diesem Tag natürlich unterstützt. Es war wohl der wärmste Tag während unserer „Kappadokien-Zeit“.

Meskendir-Tal

Eigentlich wollten wir schon bei dieser Wanderung in das Rosental, schafften es aber irgendwie nicht. Wir haben uns wohl bei jeder Abzweigung „falsch“ entschieden. Macht aber nichts, denn auch hier gab es genügend interessante Sachen zu entdecken und Innenräume der Höhlen zu erkunden. Dafür kletterten wir teils sicherere, mal unsicherere Weg hinauf.

Liebestal, Taubental und Uchisar

Diese Wanderung von 14 Kilometern war unsere erste Erkundungstour. Wir starten im Liebestal und wanderten in einer ersten Etappe bis zum Ort Uchisar. Der Name des Liebestals komme anscheinend aufgrund der Felsformationen, welche dem männlichen Geschlecht gleichen. Anscheinend haben die Namensgeber die Morcheln noch nicht gekannt, ansonsten würde es wohl Morcheltal heissen 🙂

In Uchisar genossen wir von der Burg den Ausblick auf die Region und entdeckten ein kleines, herziges Lokal. Hier lernen wir das Gericht Menemen kennen. Es ist eine Eierspeise mit üblicherweise Tomaten, Peperoni, Paprika und Zwiebeln. Das Essen hat eine gewisse Schärfe und wir freuen uns, ein weiteres vegetarisches Essen kennengelernt zu haben. Von hier ging es für uns durch das Taubental und vorbei an Göreme zurück an den Startpunkt, wo unser „Mitsu“ auf uns wartete.

Hat man weniger Zeit als wir, würde ich wohl im Liebestal einfach bis zum Café im Tal gehen und dort etwas die Umgebung anschauen und allenfalls das Taubental und Uchisar separat anfahren und erkunden. Für uns mit viel Zeit war es toll, alles auf einem Weg zu verbinden und es tat gut, sich mal wieder länger zu bewegen.

Wieder zu viert unterwegs

Mittlerweile sind wir zu viert unterwegs in Kappadokien. Einen Tag nach uns sind Sarah und Sämi eingetroffen und wir sind wieder als „Büsli-Gang“ unterwegs. Mit unseren beiden kleinen und farbigen Busen fallen wir auf und werden bei den Fotoshootings zwischen den Heiratsanträgen und Paarshoots schnell selbst zum Fotoobjekt 😉

Unterirdische Stadt Derinkuyu

Nebst den gemeinsamen Wanderungen und den geselligen Abenden besuchen wir gemeinsam die unterirdische Stadt Derinkuyu. Der heutige Tag ist neblig und es ist immer noch eisig kalt, spricht also nichts gegen ein Programm unter der Erde. Wer nun die unterirdische Stadt gebaut hat, scheint unklar zu sein. Gewisse Archäologen sehen die Hethitern als Erbauer, andere die Christen, welche die Städte als Schutz gebaut hätten. Das unterirdische System wurde 1963 entdeckt, mittlerweile sind acht Stockwerke freigelegt worden und der tiefste zugängliche Punkt liegt 55 Metern unter der Oberfläche. https://de.wikipedia.org/wiki/Derinkuyu_(unterirdische_Stadt)

Eisige Temperaturen, Wasser füllen und Übernachtungsorte

Zum Glück gibt es in dieser Umgebung so viel zu tun wie zum Beispiel den Besuch der unterirdischen Stadt und den vielen Wandermöglichkeiten. Denn Bewegung ist momentan unglaublich zentral für uns, die Temperaturen sind nach wie vor eisig. In der Nacht betragen die Temperaturen um die -8 Grad, am Tag etwa -2 Grad.

Mittlerweilen lassen wir öfters über Nacht die Standheizung laufen und so schlummern wir wieder gemütlich und wachen nicht aufgrund der Kälte auf. Morgens sind die Fenster weiterhin gefroren und es ist zur täglichen Routine geworden, die Isomatten am Morgen abzunehmen und wenn das Eis durch die ersten Sonnenstrahlen und die Heizung zu schmelzen beginnen, das Wasser mit Waschlappen aufzufangen und die Fensterscheiben zu trocknen.

Es ist das erste Mal, dass wir unsere beiden Wassertanks mit gekauften Trinkwasser auffüllen. Alle Brunnen im Ort wie auch die Wasserzufuhr auf dem Camping sind vereist. Wenn Wasser kommt, nur wenig und ohne Druck. Auch die Campingbetreiber haben mit der Kälte zu kämpfen. Da ihr Wassersystem so aufgebaut ist, dass einen Teil draussen ist, vereist ihnen immer wieder Teile für die Warmwasserzufuhr. So ist die beste Duschzeit ab 10:00 Uhr morgens. Jeweils eingewickelt in warme Kleider gehe ich zur Dusche und dann heisst es Augen zu, die nackten Füsse auf den kalten Fussboden und hoffen, dass schnell das heisse Wasser kommt.

Übernachtung

Wir verbringen zwei Nächte auf dem Camping Panorama (in dieser Jahreszeit 150-175 Lira / Nacht für 2 Personen und 1 Van). Die restlichen Nächte verbringen wir freistehenden in der Umgebung, es hat diverse Plätze mit wunderschönen Aussichten.

Feiertage

Die Tage vergehen und langsam geht es auf Ende Dezember zu. Und so verbringen wir die Weihnachtstage gemeinsam hier in der Region Kappadokien. Im Ort selbst würden wir wohl nicht merken, dass Weihnachten ist, aber es gibt auch bei uns sowohl am 24. wie am 25. ein Weihnachtsessen. Es wird ausgiebiger gekocht, auch wenn dies einen deutlich höheren Aufwand beim Abwaschen in der Eiseskälte mit sich bringt, das Essen wird speziell schön angerichtet, wir stossen an und verbringen gemeinsam Zeit. Wir schreiben unseren Familien und ich erhalte einen Familienanruf. Sie zu dritt, wir zu viert, sprechen und witzeln wir trotz stockender Verbindung über Videochat miteinander. Lange dauert es nicht, die Verzögerungen ist zu stark, aber schön wars!

Der Iran-Dämpfer am 25. Dezember

Wenn wir gerade bei den Weihnachtstagen sind, schöner hätte der 25. Dezember nicht sein können. Wir haben uns wieder oberhalb des Liebestals positioniert, dieses Mal auf einer anderen Ebene. Wir bemerken schon vor Sonnenaufgang, dass es sich heute etwas wärmer anfühlt als in den letzten Tagen und geniessen den schönen Start in den Tag mit unzähligen Heissluftballons.

Der Himmel ist blau, wir sehen keine einzige Wolke am Himmel. Heute wärmen die Sonnenstrahlen wirklich. Wie gut dies tut! Es ist ein perfekter Start in den Tag, gefolgt von einer schönen gemeinsamen Wanderung durch das Rosental. Die Sonne ist heute so wärmend, ich kann ab und zu im Pullover unterwegs sein und ziehe auch meine Thermoleggins unter den Hosen ab, da ich sonst zu warm hätte. Zufrieden, gewärmt und glücklich kommen wir zu unseren beiden Busen zurück und da kommt die Nachricht: Die Grenzen vom Iran sind wieder geschlossen.

Wir können es fast nicht glauben. Zwar haben wir schon mal ein Gerücht gehört, dass jemand nicht über die Grenze kam, aber nirgends haben wir eine offizielle Meldung erhalten. Das Pipsen der Whatsapp-Gruppe, in welcher die Mitteilung von einem Reisenden, welcher heute an der Grenze zurück in die Türkei verwiesen worden ist, beginnt sofort. Nicht nur wir können es kaum glauben. (Am Tag darauf folgt die offizielle Mitteilung: Alle Landesgrenzen sind für mindestens 15 Tage für Touristen geschlossen, per Flugzeug kann man einreisen. Grund: Covid-19, Omicron).

Im ersten Moment wissen wir alle vier nicht, was wir dazu denken sollen. Wir wussten immer, dass Grenzen sich wieder schliessen können. Aber jetzt, wo die Einreise so nahe kam und wir alle nötigen Papiere in den Händen haben, können und wollen wir es doch nicht glauben. Auch andere Reisende, welche Ende Dezember / Anfangs Januar einreisen wollten, schreiben uns, ob wir das Gleiche gelesen haben und ob die Grenzen wirklich geschlossen sind.

Wir sind froh, sind wir an einem so schönen Ort, hatten heute einen tollen Tag, können ohne Probleme hier an schönen Orten stehen und so versuchen wir alle, die Information einfach anzunehmen. Ganz einfach ist es jedoch nicht, haben wir uns alle begonnen zu freuen, in den Iran reisen zu können. Und die Aussicht, in der bis jetzt erlebten Kälte abzuwarten, muntert nicht auf. Bis anhin war die Kälte „egal“, war die Aussicht, wieder in wärmere Regionen zu reisen auch da, aber nun ist gerade alles unklar. Eine Routenänderung ist aktuell keine Option, denn wir wissen noch nicht, wie es in 15 Tagen aussehen wird.

Tschüss Kappadokien

Wir blicken auf eine eiskalte aber schöne Zeit in der einzigartigen Umgebung Kappadokiens zurück, die uns mit den fotogenen Motiven und schönen Stellplätzen viel Freude bereitet hat. Noch unsicher, wie nun unsere Reise weiterverlaufen wird, verabschieden wir uns von Sarah und Sämi, die nun doch mal auf die iranische Botschaft in Ankara gehen, um (hoffentlich) ihr Visa abzuholen und nachzufragen. Wir beschliessen, weiter Richtung Osten zu gehen mit dem Ziel, den türkischen Südosten oberhalb von Syrien zu erkunden.

Übernachtungsorte: 21.12 Umgebung oberhalb des Liebestal / 22.-23.12. Camping Panorama /24.-25. Umgebung oberhalb des Liebestal

2 Gedanken zu „Türkei, Kappadokien

  • 21. Januar 2022 um 21:26
    Permalink

    Juhuuuuu! Nachdem ich vor einigen Tagen ein Interview von respektive mit Jürgen Schmidhuber gelesen habe, musste ich mich dringenst beruhigen, was ich dann mit dem Lesen von euren Reiseberichten gemacht habe. Was ihr da in der Türkei erlebt habt, ist ja fantastisch. SOGAR inklusive Schnee!
    Da der letzte Beitrag schon etwas her ist, bleibt uns hier in der Schweiz nur zu hoffen, dass es euch gut geht. Natürlich freue ich mich dann auch schon auf den ersten Bericht aus dem Iran.

    Vielleicht noch als Breaking News von uns: Guido Berger wird künftig weniger häufig auf Youtube zu sehen und zu hören sein. Es ist jammerschade. Ich werde mich mit altem Streams trösten müssen!!

    Antwort

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