Armenien, Tatev und Old Khot

Datum: 30. Mai – 31. Mai 2022

Der Weg von Kapan nach Tatev

Wer von Kapan aus in den Norden von Armenien will, muss die H45 über Tatev nehmen. Früher gab es eine Strasse, welche Kapan und Goris miteinander verband. Seit dem Jahr 2021 kann diese nicht mehr befahren werden, da Teile davon neu in Gebieten liegen, welche von Aserbaidschan kontrolliert werden. Dadurch muss der gesamte Transitverkehr vom und in den Iran über die H45 fahren.

Strassenqualität

Die Strasse ist teilweise in einem sehr schlechten Zustand. Der Asphalt ist aufgerissen oder fehlt manchmal ganz, was dazu führt, dass die Verkehrsteilnehmenden regelmässig auf die gegenüberliegende Fahrspur ausweichen müssen. Dies ist auf geraden Strecken nicht problematisch, führt aber in Kurven immer wieder zu Schockmomenten, wenn einem jemand auf seiner Spur entgegen kommt.

Abgeschiedene Orte

Die Strasse ist neben den LKW-Fahrern nicht stark befahren und führt an vielen kleinen Orten vorbei. Uns scheint, als wäre die Landwirtschaft die einzige Einnahmequelle in dieser Umgebung. So geniessen wir auf dem Weg nach Tatev einfach das viele Grün um uns herum. An einzelnen Bergen können wir noch Schneefelder erkennen, welche die Sonne noch nicht geschmolzen hat.

Tatev

Mitten am Nachmittag erreichen wir den Ort Tatev, welcher das gleichnamige Kloster beherbergt. Das Wetter ist nicht berauschend und wir gedulden uns, bis wir ein gutes Foto vom Kloster machen können. In der Zwischenzeit warten wir auf dem Parkplatz oben vor dem Kloster. Dies scheint ein beliebter Stopp für die LKW-Fahrer zu sein, welche sich hier treffen und gemeinsam einen Tee trinken. Nachdem sie anfänglich zurückhaltend waren, machte ich am Schluss Fotos von ihnen und mit ihnen. Nach der Zeit im Iran ist diese Art aber viel weniger „invasiv“ und kommt uns aktuell angenehmer vor.

Während des Wartens können wir unsere neue Bialetti in Szene setzten und probieren den noch im Iran gekauften Kaffee. Wir haben extra noch 1 kg frische Bohnen im Iran gekauft, da dort der Preis deutlich ökonomischer war. Leider stellt sich heraus, dass wir türkische Kaffeebohnen erwischt haben, welche Sarah und ich nicht mögen.

Dann ist es soweit und die Sonne dringt nochmals durch die dichten Wolken und beleuchtet das Kloster von Westen her. Schnell machen wir uns auf den Weg und besuchen das Kloster solange die Sonne noch scheint.

Am Eingang der Kirche prangt eine Tafel mit Regeln für den Besuch. Sarah müsste ein Kopftuch anziehen. Neben dem Kopftuch gibt es noch ganz viel, was man nicht darf. So darf man anscheinend als Mann nicht in einem Anzug in die Kirche.

Das Kloster wurde während eines Erdbebens stark in Mitleidenschaft gezogen und später komplett renoviert. Stark sieht man dies an der kleinen Kapelle im hinteren Teil des Geländes.

Devil’s Bridge

Wenn man der Strasse etwas weiter folgt, führt der Weg runter in eine Schlucht. Dort befindet sich die Devil’s Bridge, welche wir am nächsten Tag besuchen wollen. Die Nacht verbringen wir auf dem Weg zur Schlucht etwas abseits der Strasse. Trotz der Distanz zur Hauptstrasse ist der Lärm der LKW’s enorm. Die ganze Nacht sieht man kleine Lichter, welche sich ihren Weg in die Schlucht runter und auf der anderen Seite wieder hoch arbeiten. Begleitet wird das Schauspiel von viel Gehupe, denn die Kurven sind eng und es ist nicht möglich, dass zwei LKW’s gleichzeitig in diese einbiegen.

Falsche Richtung

Wir werden nicht ganz schlau aus der Beschreibung, wo sich die Höhlen bei der Devil’s Bridge befinden. Nach einem spannenden Abstieg runter bis zum Wasser, folgen wir einem Trampelpfad dem Flusslauf aufwärts. Der Trampelpfad wird immer schmaler und wir merken, dass wir falsch sind. Dann klettern wir halt über die grossen Steine im Flussbett und versuchen so dem Flusslauf aufwärts zu folgen. Irgendwann sehen wir ein, dass es hier wohl nicht weiter geht und wir wieder falsch sind. Wenigstens können wir den abgeschiedenen Ort für eine Bad im Fluss nutzen.

Mineralbecken, Stalagmiten und Stalaktiten

Auf dem Rückweg entdecken wir den Eingang zur Höhle. Er liegt direkt dort, wo wir gestartet sind, jedoch in Richtung der Flusslaufes. Mit Wasserschuhen und einer Taschenlampe erkunden wir die kleine Höhle und die skurrilen Formationen, welche das mineralhaltige Wasser verursacht hat. Dies ist eine spannende kleine Höhle zum Entdecken. Leider sieht man in gewissen Teilen bereits von den Mineralien überzogenen Abfall wie Autoreifen und Schuhe herum liegen. Wie auch in anderen Ländern werden Flüsse oft dazu genutzt, um Abfall zu „entsorgen“. Mit dem nächsten starken Regen, ist das Problem dann gelöst und der Abfall „weg“.

Old Khot

Old Khot ist ein verlassener Dorf in der Nähe von Shinuhayr und dem neuen Khot. Das Dorf wurde bis in den 1970er bewohnt. Danach haben die Bewohner sich entschieden, in das neue Dorf umzuziehen beziehungsweise weiter oben das Dorf neu aufzubauen. Old Khot befindet sich unterhalb einer steilen Klippe und verursachte so einige Probleme. So gab es bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts keinen Strom im Dorf und die herausfordernde Strasse verkomplizierte die Kommunikation mit den umliegenden Dörfern.

Schwierige Anfahrt

Eine steile und schmale Piste führt runter zum Dorf. Sarah hält sich während der Fahrt am „Angstgriff“ fest und die Angst ist ihr ins Gesicht geschrieben. Zugegeben, die Strecke runter ist steil und das lose Geröll macht einem das Fahren nicht einfach.

Nach einer letzten steilen Passage ist Schluss für uns. Die kleine Flussdurchfahrt hat zu grosse Steine im Weg und wir sehen bereits diverse Kratzspuren von anderen Fahrzeugen. Das Wetter verschlechtert sich und wir entscheiden, das letzte steile Stück noch heute wieder hoch zu fahren und etwas weiter oben einen Schlafplatz zu suchen. Von einer Kurve aus führt ein Weg zu Old Khot und dort hat es möglicherweise Platz für unseren Mitsu.

Nur mit 4×4 und Untersetzung schaffen wir das steile Stück wieder hoch. Sarah ist bereits ausgestiegen und schaut sich die Szene von aussen an.

Verlassene Gebäude

In der Kurve finden wir genügend Platz um zu parkieren und machen uns auf nach Old Khot. Bewohnt ist hier nichts mehr und die meisten Häuser werden von den Kühen genutzt, um in Ruhe schlafen zu können. Nach dem Erlebnis mit dem Kalb in den engen Gassen auf dem Peloponnes sind wir vorsichtig und schauen immer erst um die Ecke, was dort steht. Und tatsächlich finden wir diverse Kühe in den engen Gassen und Häusern, welche wir nicht erschrecken wollen.

Spannend ist auch, dass die Bewohner viele Höhlen in den Fels gehauen und teilweise dort gelebt habe. Andere wurden wohl eher als Lager genutzt. Es gibt auch kleine Feenkamine, welche stark an diese in Kappadokien erinnern.

Tolle Aussicht auf die Umgebung

Die Nacht verbringen wir dort, wo wir parkiert haben. Die Aussicht ist grandios und das Wetter sieht auch wieder gut aus. Nur 2-3 Einheimische kommen am Abend mit ihren Jeeps vorbei und scheinen weiter unten etwas auf dem Feuer zu braten. Ansonsten ist es eine sehr ruhige Nacht, wo wir beide gut schlafen.

Übernachtungsorte: 30.05. Umgebung Tatev / 31.05. Umgebung Old Khot

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