Türkei, Harran und Göbekli Tepe

Datum: 03. Januar 2022

Harran

Nachdem wir auf Grund des Wetters unsere Abreise in Sanliurfa um einen weiteren Tag verschoben haben, machen wir uns auf den Weg nach Harran. Harran ist vor allem für seine bienenstockförmigen Häuser bekannt. Diese sind auch der Grund, warum wir diesen Ort besuchen. Die Luftlinie zwischen Harran und der syrischen Grenze beträgt nur 16 km, weshalb wir früh am Morgen los fahren. Obwohl es als „sicher“ bezeichnet ist, wollen wir kein Risiko eingehen und noch am selben Tag wieder ins Landesinnere der Türkei fahren.

Angeblich soll das türkische Militär eine Sicherheitszone von 30 km innerhalb von Syrien eingerichtet haben und die Gegend kontrollieren. Aktuell (etwa drei Wochen später als unser Besuch in Harran), als ich diesen Beitrag schreibe, finden grad wieder schwere Kämpfe mit dem IS in Al-Hasaka statt. Dieser Ort befindet sich 150 km in direkter Luftlinie von Harran entfernt.

Erstaunlicherweise gibt es auf dem Weg nach Harran keine Kontrollen durch das Militär und so bahnen wir uns unseren Weg über die sogenannte Harran-Ebene. Ein weites, flaches Gebiet, welches von einigen Hügeln umgeben ist. Gegen Syrien öffnet sich das Land noch mehr und bleibt flach.

Als wir in den Ortskern fahren, winkt uns bereits die erste Person zu und zeigt uns, dass wir anhalten sollen. Wir sehen es dem Mann an, dass er uns etwas verkaufen will, winken ab und fahren weiter. Auf unserem Navi haben wir einfach etwas eingegeben und kurze Zeit später,realisieren wir, dass wir wohl nochmals nachlesen müssen, wo wir genau hin fahren. Als wir stoppen und auf der Karte nach einem Parkplatz suchen, holt uns der Mann mit dem Motorrad ein und beginnt uns zu zu texten. Wir sollen zu ihm kommen, er mache Touren und wir können sein Haus anschauen. Wir erklären, dass wir nicht interessiert sind und fahren weiter.

Unser herausgesuchte Parkplatz liegt bei einem traditionellen Haus und dort werden wir natürlich wieder angegangen, dass wir doch ihr Haus anschauen sollen, usw. Wir lehnen ab und machen uns zu Fuss auf den Weg zu den Ruinen von Harran. Von dort aus sehen wir die bekannten Bienenstock-Häuser neben einem Stall stehen.

Der Mann auf dem Motorrad findet uns ein weiteres Mal und wir lehnen sein Angebot nach einer Tour nochmals ab. Jetzt scheint er es einzusehen und verabschiedet sich.

Bei den schönen Häuschen befindet sich ein Restaurant und wir werden von einem Taxifahrer hin gewunken. Er wartet grad auf seine Kunden, welche die Ruinen besichtigen und wir sprechen etwas zusammen. Er meint, wir sollen doch diese Häuser hier besichtigen und kommt gleich selbst mit. Es gibt verschiedene Räume und durch die Bauweise sei es im Sommer schön kühl und im Winter bleibe die Wärme drinnen. Oben befindet sich ein Loch, welches als Abzug für das Feuer dient. Egal ob Küche, Aufenthaltsraum oder Schlafzimmer – alle Räume sind gleich gebaut, aneinander gereiht und miteinander verbunden.

Wir sprechen noch etwas mit dem Taxifahrer, machen ein paar Witze, trinken zusammen einen Chai und machen uns dann wieder auf den Weg zum Auto.

Dort angekommen, überlegen wir uns von dem Herren doch noch das Haus seiner Grossmutter zeigen zu lassen, obwohl wir vorher schon viel erfahren haben. Er selbst studiert in Istanbul und will bereits nach zwei Minuten von uns Geld für die „Führung“. Wir sagen, dass wir nichts haben und machen uns aus dem Staub. Zum Glück ist noch ein ganzer Reisecar dort und er von ihnen abgelenkt. Grundsätzlich haben wir nichts dagegen, wenn etwas Eintritt kostet. Wenn es aber heisst, dass es gratis ist und danach versucht wird, penetrant an Geld zu kommen, ist uns das zu blöde.

Wiedersehen

Da wir früh dran sind, fahren wir zurück nach Sanliurfa und treffen Sarah und Sämi auf einen Chai und ein spätes Mittagessen. Sie sind wieder fast zur gleichen Zeit dort angekommen wie wir und zufälligerweise stehen wir vor dem selben Parkplatz. Wir geniessen die gemeinsame Zeit und lassen den Nachmittag ausklingen. Seit Kappadokien haben wir die beiden nicht mehr gesehen und so tauschen wir uns über das Erlebte aus und plaudern noch sonst ein wenig. Danach verabschieden wir uns von ihnen, denn wir wollen heute noch in die Nähe vom Göbekli Tepe fahren. In der näheren Umgebung gibt es einen schönen Platz in der Natur und wir freuen uns, endlich wieder im Bus zu übernachten und ausserhalb der Stadt zu sein.

Göbekli Tepe

Göbekli Tepe wird als UNESCO-Welterbe gelistet und gehört zu den ältesten Bauwerken der Menschheit. Vor etwas 12’000 Jahren wurde dieser Ort errichtet und später aus noch unbekannten Gründen wieder verlassen. Dass von den Bauten heute noch etwas übrig ist, verdanken wir den Menschen zu jener Zeit. Als die Stätte verlassen wurde, wurde die gesamte Anlage mit Erde aufgefüllt, was alles gut konserviert hat.

Wir nehmen uns einen Audio-Guide auf Deutsch, starten mit dem Besuch des Simulationszentrums, welches sehr gut gemacht ist, und gehen danach hoch zu den Ruinen.

Dort werden wir anhand von verschiedenen Stationen durch geführt und einzelne Teile der freigelegten Stätte werden erläutert. Anscheinend sind die Nummerierungen etwas durcheinander gekommen und uns fällt es teilweise schwer, die richtigen Teile zum Text zu finden. Trotzdem entdecken wir vieles, was wir im Audio-Guide gehört haben, wieder.

Es ist sehr beeindrucken, vor etwas zu stehen, das vor knapp 12’000 Jahren von anderen Menschen geschaffen worden ist und bis heute überlebt hat. Schon nur bei alten Städten, die über 2’000 Jahre alt sind, hat man dieses Gefühl, aber bei so einem alten Ort ist es noch etwas spezieller.

Übernachtungsort: 03.01. Umgebung Göbekli Tepe

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