Türkei, Elmali und die Berge

Datum: 10. Dezember – 13. Dezember 2021

Offroad von Elmali nach Antalya

Von anderen Reisenden haben wir gesehen, dass es eine Offroad-Strecke zwischen Elmali und Antalya gibt. Auf dem Weg nach Antalya kommt man beim Klettergebiet Geyikbayırı vorbei. Dort wollen wir, sofern das Wetter stimmt, ein paar Tage klettern gehen.

Vor unserer Abfahrt in Elmali tanken wir nochmals auf, füllen unsere Wasservorräte und versuchen bei der Post unsere Maut-Schulden zu begleichen. Leider hat die Poststelle geschlossen und wir entscheiden uns, dass wir es in Antalya wieder versuchen werden. Gespannt fahren wir los und folgen dem GPS Track. Es dauert nicht lange und die ersten Berge werden sichtbar.

Die Strasse wechselt langsam von Asphalt zu einer Lehmpiste. Diese ist am Anfang noch fast trocken und lässt sich gut befahren. Mit jedem Kilometer dringen wir weiter in das Gebirge hinein und fragen uns, ob im oberen Teil nicht zu viel Schnee auf der Strasse liegt.

An den schattigen Stellen ist der Boden nass und der Lehm beginnt an unseren Rädern zu kleben – den 4×4 müssen wir aber noch nicht zuschalten.

Langsam fahren wir die Serpentinen hoch und hie und da rutschen wir etwas auf der Strasse hin und her. Der Boden ist nun sehr nass und der Lehm hat unsere Reifen bereits gefüllt. Solange es nicht steiler wird, sollte es aber funktionieren.

Auf einer Hochebene können wir wunderbare Ausblicke auf die umliegenden Berge geniessen. Der Schneefall der letzten Tage macht sich hier extrem bemerkbar. In der Zwischenzeit haben wir unseren 4×4 zugeschaltet und sind froh darum. Denn auf der Hochebene hat sich der Boden noch mehr aufgeweicht als auf der Strasse und wir schaffen es nur knapp über sie hinweg. Die Kraft des dritten Ganges reicht nicht mehr aus und ich schalte in den zweiten Gang. Der Dreck fliegt bereits hoch an die Rückspiegel und langsam kämpfen wir uns auf die andere Seite der Hochebene. Noch ein kleines Stück fahren wir weiter, bevor wir den weiteren Verlauf der Strecke begutachten können.

Was wir sehen, erfreut uns nicht… Die Piste wird steiler und verläuft im Schatten der Berge mit viel Schnee auf der Strasse. Für die nächsten Tage ist starker Schneefall und Niederschlag angesagt und wir haben noch 70 km vor uns bis nach Antalya. Unter den gegeben Umständen wollen wir das Risiko nicht eingehen und entschliessen uns, dass wir umdrehen. Die vorhandenen Autospuren sind schon älter und wir gehen davon aus, dass niemand diese Piste in der nächsten Zeit befahren wird und in dieser Region haben wir keinen Empfang mit unseren Handys.

Etwas enttäuscht machen wir uns auf den Rückweg und halten Ausschau nach einem Schlafplatz. Dieser ist denn auch schnell gefunden, denn bereits auf dem Hinweg haben wir unsere Fühler ausgestreckt, damit wir einen Plan B haben.

Das Wetter ist zwar schlecht angesagt, aber wir haben Glück und an unserem Standplatz regnet und schneit es nicht. Wir sehen, wie rings herum Wolken aufziehen und sehen grössere Gewitter in der Ferne, aber wir bleiben verschont.

Da sich das Wetter bei uns hält, bleiben wir zwei Nächte hier und geniessen die Abgeschiedenheit und die wunderbaren Ausblicke und die wechselnden Stimmungen.

Die umliegenden Hügel reizen uns und so machen wir zwei kleine Wanderungen. Nach jedem Hügel kommt der nächste und als wir beim wohl letzten sind, finden wir uns im Schnee und mitten in den Wolken wieder.

Abgelegene Bergregion und Sackgasse

Anhand Google Maps suche ich uns eine alternative Strecke für die Fahrt ans Meer raus. Somit können wir uns den Umweg über die Hauptstrasse sparen und können länger in dieser schönen Region bleiben.

Die Strecke beginnt sehr verheissungsvoll und die Strasse ist in einem besseren Zustand als zuvor auf dem Weg nach Antalya. Vor uns erstreckt sich das Bey-Gebirge und wir kommen aus dem Staunen fast nicht mehr raus.

Auf den flachen Stellen sehen wir, dass überall provisorische Holzkonstruktionen stehen. Anscheinend wir diese Gegend im Sommer bewirtschaftet und Personen leben hier, ähnlich wie Nomaden. Aktuell ist jedoch alles verlassen und die halb abgebrochenen Ställe lassen uns erahnen, was für Tiere hier im Sommer weiden.

Während unserer Fahrt sehen wir an den Hängen wilde Pferde grasen. Handyempfang haben wir keinen mehr und so müssen die geladenen Satelliten-Bilder auf Google Maps für die Navigation herhalten. Langsam verlassen wir das Gebirge und wir finden uns in einem Wald wieder. Die Strasse ist schön breit, aber Spuren sehen wir auf den Schneeresten keine. Regelmässig muss ich aussteigen und grössere Steine von der Strasse räumen. Die Strasse wird immer schmaler und in der Zwischenzeit hängt Nebel in den Bäumen. Plötzlich realisieren wir, dass wir definitiv falsch gefahren sind und uns dieser Weg wieder zurück ins Gebirge führt.

Bereits ein paar Meter vorher mussten wir mit der Schaufel etwas nachhelfen, da wir leicht vom Weg abgerutscht sind. Drehen können wir hier nicht, also müssen wir um die 200 Meter rückwärts auf dem schmalen Weg fahren. So geht es noch eine ganze Weile weiter und wir finden einfach nicht den richtigen Weg zurück auf die grosse Strasse, die uns ans Meer führt. Dafür treffen wir immer wieder auf wilde Pferde, die erstaunt vor uns her rennen.

Als wir denken, dass wir es geschafft haben, stehen wir vor einer verschlossenen Schranke. Dies passiert uns noch zwei weitere Male und schlussendlich zwingt uns ein verschlossenes Tor dazu, dass wir umdrehen.

Etwas verwirrt fahren wir die Strecke zurück bis zu einem anderen potentiellen Weg. Gut zwei Stunden sind wir nun in den Wäldern herum geirrt und haben Pferde aufgescheucht, aber jetzt befinden wir uns wohl auf dem richtigen Weg. Er ist schmal, hat Schräglagen und Schlaglöcher aber nach 15 Minuten erreichen wir die Hauptstrasse.

Finike

Es ist bereits am Eindunkeln und wir müssen uns entscheiden, ob wir hier in der Gegend etwas zum Übernachten suchen oder ob wir direkt ans Meer fahren. Nach etwas hin und her ist es beschlossen: Wir fahren direkt ans Meer und müssen dadurch bei Dunkelheit unser Nachtlager aufschlagen.

Gesagt, getan und so kommen wir bei Dunkelheit am Meer an. Die Luft ist hier deutlich wärmer und wir fragen uns, warum wir eigentlich so lange im Innland unterwegs waren 😉

Finike ist bekannt für die besten Orangen in der Türkei und selbst bei Nacht sehen wir viele Orangenverkäufer am Strassenrand. Wir wollen fürs Abendessen aber etwas anderes. Bei einem kleinen Restaurant bestellen wir uns je einen Kumpir (riesige Kartoffel gefüllt mit allerlei Materialien) und betonen, dass wir kein Fleisch darin wollen. Auf den ersten Blick sieht der Kumpir super aus – auf den zweiten Blick sehen wir jedoch, dass er voller Fleisch ist. Dieses mal wollen wir das Fleisch nicht essen und picken es Stück für Stück raus.

Ach ja, es ist der Moment gekommen, an den wir in der Türkei unser erstes Migros besuchen. Ja richtig gelesen – in der Türkei gibt es an vielen Orten die Migros und zwar in der Ausführung von 1M bis zu 5M.

Iran

Heute, dem 13. Dezember, erreicht uns eine gute Nachricht: Unser RN für den Iran wurde ausgestellt. Somit können wir nun auf die Iranische Botschaft in Ankara gehen und unser Visa abholen. Ankara liegt jedoch nicht um die Ecke und so brauchen wir erst einen Plan, wann wir dort hin fahren.

Reinigung

Nach der Offroad-Fahrt in den Bergen müssen wir unseren Mitsu reinigen. Der lehmige Boden hat sich in den Radkästen ganz schön festgehockt und bereits in der Nacht sind grössere Lehmbrocken auf den Boden gefallen. Vor der Wäsche mit dem Wasser mache ich mich an die Arbeit und löse die grössten Lehmstücke von Hand.

Irgendwo zwischen Finike und Cirali finden wir ein Picknick-Areal (welches sehr verlassen wirkt) mit Toiletten, fliessendem Wasser und am Strand soll es sogar Duschen geben. Wir nutzen die Gelegenheit und waschen unsere Schuhe, reinigen den Innenraum vom Mitsu und machen den Abwasch. Etwas erstaunt darüber, dass ich den Abwasch mache, stehen zwei ältere Herren neben uns und meinen, dass das in der Türkei also schon umgekehrt läuft.

Die Duschen am Strand funktionieren und die Sonne scheint. Wir überlegen uns sogar kurz, ob wir nicht ins Meer wollen – entscheiden uns dann aber dagegen.

Übernachtungsorte: 10.12. – 11.12. Umgebung Elmali in den Bergen / 13.12. Umgebung Finike

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