Bosnien und Herzegowina, Počitelj und Blagaj

Datum: 17. August 2021

Počitelj

Frühmorgens war unser Besuch bei den Kravica Wasserfällen und deshalb ist es erst etwa 08:30 Uhr, als wir losfahren. Heute wird unser Tag ein Sightseeing-Tag und ich bin bin gespannt, wie ich diese Region erleben werde, befinden wir uns nun auf den bekannteren Strecken des Landes. Als nächster Stopp steuern wir den Ort Počitelj am Fluss Neretva an. Und zum Glück sind wir dieses Mal früh dran, denn schon Vormittags klettern die Temperaturen auf etwa 30° Grad an.

Wir steigen die Treppen hoch und entdecken den Ort. Teilweise finden wir Informationstafeln zu den Gebäuden oder der Geschichte. Wenn ich die Geschichte richtig verstanden habe, war Počitelj während der ungarischen Herrschaft ein wichtiger strategische Stützpunkt. Nach mehreren, zu Beginn noch erfolglosen Angriffen, gehörte die Siedlung zum Osmanischen Reich. Zu dieser Zeit entstanden deren typischen öffentlichen Gebäuden.

Danach eroberten die Venezianer den Ort. Mit der Errichtung der österreich-ungarischen Herrschaft verlor Počitelj seine strategische Bedeutung. Im Krieg von 1992 bis 1996 kam es zu Kriegsschäden. 1996 hat die UNESCO Počitelj zum Weltkulturerbe erklärt.

Der Ort gefällt uns beiden, wir wissen aber wenig als wir durch die Gassen schlendern. Vor Ort haben wir niemanden angetroffen, um zum Beispiel eine kleine Informationstour machen zu können, eventuell sind wir aber auch etwas zu früh dran. Etwas später begegnen wir kleinen Gruppen à etwa 4 Personen mit einem Guide. Es handelt sich womöglich um eine organisierte Touren von Mostar aus.

Ganz oben in der Festung hat es innerhalb der womöglich restaurierten Mauern Räume und Installationen. Alles sieht eher neu gebaut aus, jedoch vollständig verlassen. Es wachsen Pflanzen und wir sehen Schimmelbildung an den Wänden. So eben haben wir noch darüber gesprochen, dass dies hier schön kombiniert wurde, Altes mit einer neu geplanten Nutzen. Aber dass es nun so verfallen und kaputt ist, irritiert uns.

Flo versucht mit einer kurzen Internetrecherche mehr zu erfahren. So stösst er auf einer Plattform der sozialen Medien auf eine Gruppe, die sich um dieses Thema bemüht. Anscheinend sollten hier künstlerische Tätigkeiten Platz bekommen, aber der Bau geht nicht weiter, es scheint mysteriös zu sein, wo das Geld hinfloss und es seien keine klaren Angaben seitens der Politik vorhanden… Wir schmöckern noch eine Weile in diesen Texten und sinnieren bei einem Kaffee an der Neretva darüber. Ist das wohl war? Optisch könnte es sein… Womöglich hat Corona auch dem ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht und nun fühlt sich niemand mehr zuständig.

Badepause und Früchteeinkauf

Die Neretva leuchtet uns entgegen und die Hitze ist da. Wir beschliessen aber, noch bis nach Blagaj zu fahren. Dort können wir sicher auch baden. Im Nachhinein hätten wir schon hier einen Schwumm nehmen sollen, aber dies weiss man vorher ja nicht. Grundsätzlich ist es immer gut, gleich das zu machen, wenn man dazu Lust hat, man weiss nie, wie der nächste Ort aussieht.

Auf dem Weg hat es X-Früchtestände. Eines der vielen Dinge, die mir am Herumreisen in Bosnien und Herzegowina gefallen: Einkauf von Früchten und Gemüsen an den Strassenständen. Da es einfach das gibt, was in dieser Region angebaut und gerade Saison ist, ist es immer wieder ein toller Moment, zu entdecken was es es hier wohl gibt. Aktuell ist Feigensaison und wir kaufen gleich einen ganzen Sack dieser süssen und weichen Früchte. Auch sonst decken wir uns ein und bezahlen für alles umgerechnet um die 5 Euro.

Blagaj

Besonders bekannt macht den Ort die Karstquelle Vrelo Bune des Flusses Buna und das gleich dort gebaute Derwisch Kloster. Uns begegnet ein noch gemütlich wirkender Ort, der Fluss Buna mit unzähligen Restaurants bis zur Quelle und verhältnismässig teure Parkgebühren je näher der Parkplatz an der Quelle liegt.

Quelle Vrela Buna

Blagaj ist ein vielbesuchter Ort aus verschiedenen Gründen: Die malerische Landschaft des Karstgebietes, die Bedeutung des Derwisch-Kloster und der Besichtigungsmöglichkeit der Quelle. Uns beiden sagt heute das Kloster und die Quelle wenig zu.

Wir überlegen uns, dass Klettergebiet auszutesten, aber es ist zu heiss, um jetzt am Nachmittag in der Sonne zu klettern. Unser Bedürfniss ist einfach eine Abkühlung. Doch finden wir hier irgendwie keinen öffentlichen Badeplatz und so entscheiden wir uns spontan, eine Nacht auf einen einfachen Camping vor Ort am Fluss zu nehmen (River Camp Bara, 15 Euro für 2 Personen und 1 Van). Der Schatten spendet den gewünschten Schutz vor der Mittagssonne, das Baden fällt nur kurz aus. Die Buna misst etwa 7° und vis-à-vis befindet sich eine Fischzucht. Doch wir geniessen einfach das Sein in unseren Hängematten.

Festung Stjepan grad

Gegen Abend spazieren wir auf die Festung Stjepan grad und laufen so das erste Mal unsere neuen Trekkingschuhe ein. Nach etwa 15 Minuten sind wir oben: Die Abendstimmung und der Ausblick ist toll!

Oben angekommen erwartet uns erneut eine wunderschöne Abenstimmung und einen tollen Ausblick. Wir geniessen auf den Mauer der Festung mit etwa vier anderen Personen den Sonnenuntergang.

Plötzlich riechen wir Rauch und sehen Richtung Süden die Linie des Feuers eines Waldbrandes. Weit und breit sehen wir keine Löschaktion. Wir werden von einem Paar angesprochen. Sie leben in Mostar, sie ist ursprünglich von Banja Luka. Auch sie schauen in die Richtung des Feuers aber wissen nicht Genaueres und irgendwann verändern sich die Gesprächsthemen.

Die Frau fragt viel: Was wir so entdeckt haben, was uns gefällt und was fehlt? Es entsteht ein spannendes Gespräch zwischen ihr und mir über das Wohnen, Arbeitswünsche und Themen in den jeweiligen Heimatländern. Unten beim Parkplatz begegnen wir vier zwei Jugendlichen. Sofort startet auch hier wieder eine Plauderrunde. Seit wir in Bosnien und Herzegowina begegnet uns dies oft, egal wo wir sind, es kann auch sehr abgelegen sein, früher oder später werden wir angesprochen und es entstehen solche Plauderrunden. Die Menschen sind jeweils sehr herzlich. Was heisst dies für unseren Alltag hier: Es gibt nicht ein „lass uns doch dies kurz machen“ sondern es lohnt sich, gemütlich und mit Zeit unterwegs zu sein.

Übernachtungsorte: 17.08. River Camp Bara

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